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Österreich

Walter Rosenkranz – Ein Volksanwalt als Volkspräsident?

Julian Schernthaner

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Sieben Kandidaten treten am 9. Oktober zur Bundespräsidentenwahl in Österreich an. Einer von ihnen ist Dr. Walter Rosenkranz. Der freiheitliche Volksanwalt ist der einzige offiziell von einer Parlamentspartei nominierte Kandidat. Unter allen Herausforderern werden ihm aktuell die größten Chancen eingeräumt.

Lange Zeit ließen sich die Freiheitlichen mit der Ernennung ihres Kandidaten. Letztendlich fiel die Wahl für viele überraschend auf Walter Rosenkranz. Der 60-jährige Polit-Veteran schickt sich an, sowohl die freiheitlichen Kernwähler als auch mögliche unzufriedene konservative ÖVP-Wähler zu gewinnen und zumindest eine Stichwahl gegen den Amtsinhaber zu erzwingen. Er will mit Slogans wie „Wir holen unsere Freiheit zurück“ und „Handeln im Auftrag des Volkes statt der Eliten und der Mächtigen“. Die Erzählung ist: Hier der Volksanwalt, dort der Kandidat des Systems.

Volksanwalt mit freiheitlicher Laufbahn

Walter Rosenkranz wurde 1962 in Krems an der Donau geboren. Begann er noch während des Gymnasiums eine Ausbildung zum Musikschullehrer und belegte an der Hochschule das Konzertfach Gitarre, sollte er letztendlich Rechtswissenschaften studieren und als Jurist promovieren. Seit 2000 fungiert er als Strafverteidiger. Zugleich begann er seine politische Laufbahn schon 1988 als Gemeinderat in Krems. Im Jahr 2008 zog er in den Nationalrat ein, dem er bis 2019 – die letzten beiden Jahre als Klubobmann – angehörte.

Zugleich war er von 2013 bis 2019 niederösterreichischer Landesparteiobmann – übrigens als Nachfolger der FPÖ-Präsidentschaftskandidatin von 2010, Barbara Rosenkranz, mit der er nicht verwandt und auch nicht verschwägert ist. Seit Juli 2019 machte er sich als Volksanwalt seinen Namen. In vielen Fällen konnte er so etwa überzogene Corona-Strafbescheide, auch im Bezug auf Demonstrationen, kippen. In dieser Rolle agierte er überparteilich, das will er wohl auch als Präsident.

Neutralität: „In Waldviertler Granit gemeißelt“

Die Wiener Zeitung erklärte bei der Vorstellung: „Als Persönlichkeit ist der gebürtige Kremser innerhalb der Partei unumstritten, im Umgang charmant, in der Sache konsequent und skandalfrei.“ Offen geht Rosenkranz damit um, dass er Mitglied der pflichtschlagenden Wiener akademischen Burschenschaft Libertas ist. Dass die Studentenverbindungen schon im 19. Jahrhundert für wichtige Grundrechte wie jenes auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit kämpften, erfüllt ihn mit Stolz.

Diese Freiheiten seien „in Zeiten von Diktaturen“, aber auch „in den letzten zweieinhalb Jahren mit Füßen getreten“ worden. Geht es nach ihm, sollen Freiheitsbeschneidungen wie im Zuge der Corona-Maßnahmen nie wieder kommen. Die immerwährende Neutralität Österreichs wiederum ist für ihn „in Waldviertler Granit gemeißelt“. Seinen Konkurrenten um die Hofburg bietet er durchaus die Hand an und kann sich vorstellen, diesen im Rahmen ihrer Expertise Beraterfunktionen zuteil werden zu lassen.

Kampf um die Stichwahl

Rosenkranz kämpft einen doppelten Kampf um die Hofburg. Zum einen müssen er und die Mitbewerber stark genug sein, um Van der Bellen als ersten Amtsinhaber in eine Stichwahl zu zwingen. Andererseits muss er selbst die breite Konkurrenz im selben Wählerteich ausstechen und den zweiten Platz erreichen. Aktuellen Umfragen zufolge werden ihm gute Chancen eingeräumt, zwischen 15-20 Prozent der Wähler im ersten Wahlgang erreichen zu können.


Neben Walter Rosenkranz und dem amtierenden Präsidenten Alexander Van der Bellen treten noch folgende Kandidaten zur Wahl an (Liste wird laufend ergänzt):

Gerald Grosz – Mit Trump-Slogan für die Hofburg und gegen die Regierung

Michael Brunner – Coronakritiker, der das System ändern will

Dominik Wlazny alias Marco Pogo – Ein Punk-Rocker in der Hofburg?

Heinrich Staudinger – Ein „Schuh-Rebell“ für die Hofburg?

Tassilo Wallentin – Der Ex-„Krone“-Kolumnist will sich nicht verstecken

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