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Wirtschaft

USA: Weitere Leitzinserhöhung – Euro unter Druck

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Die US-Zentralbank (Fed) hebt den Leitzins erneut um 75 Basispunkte an. Um die Inflation einzudämmen, soll der Zins auf über vier Prozent steigen. Der Euroraum droht in eine tiefe Krise abzurutschen.

Es ist die dritte Anhebung um 0,75 Prozent, der Zins liegt jetzt in der Spanne zwischen 3 und 3,25 Prozent, dem höchsten Stand seit 2008. Experten und Marktteilnehmer hatten bereits mit einer kräftigen Anhebung gerechnet, im Vorfeld war sogar von 100 Basispunkten die Rede. Insgesamt wurde der Dollar-Zins in diesem Jahr bereits fünfmal angehoben. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich bisher auf zwei Anhebungen beschränkt.

Fed-Chef Jerome Powell will seine straffe Geldpolitik fortsetzen, im kommenden Jahr sollen die Zinsen auf deutlich über vier Prozent ansteigen. Damit das amerikanische Wirtschaftswachstum keinen dauerhaften Schaden nimmt, müssen die Zinsen aber rechtzeitig wieder sinken. Experten rechnen damit, dass das 2024 oder sogar schon Ende 2023 der Fall sein wird. Powell hat jedoch in mehreren Reden betont, alles zu tun, um die Inflation in den Griff zu bekommen.

EZB ohne klaren Kurs

Die EZB hat sich dieses Jahr zwar von der Nullzins-Politik verabschiedet, wirksame geldpolitische Maßnahmen hat sie bisher aber nicht ergriffen. Aktuell liegt der Leitzins in der Eurozone bei 1,25 Prozent. Zu wenig, um die Inflation zu drücken. Möglicherweise aber hoch genug, um hoch verschuldete Euro-Länder in ernste Schwierigkeiten zu bringen. Das betrifft vor allem Italien, Griechenland und Spanien, aber auch Frankreich ist auf billiges Geld angewiesen. Der Zinsspread zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen ist bereits im August auf über zwei Prozent gestiegen. An den Finanzmärkten ist das ein wichtiger Maßstab, ob die italienischen Staatsfinanzen gesund sind oder eben nicht. Das Finanzdienstleistungsinstitut Flossbach von Storch sieht den Euroraum bereits am Beginn einer neuen Euro-Krise. 

Der ehemalige Chef-Volkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, warnt die EZB in einem Beitrag für die WELT davor, deutsche Staatsanleihen zugunsten italienischer zu verkaufen: „Denn damit würde die Europäische Zentralbank (EZB) unmittelbar Steuergeld zur Finanzierung von Zinsausgaben von Deutschland nach Italien umverteilen. Selbst dem regierungsnahen deutschen Verfassungsgericht und den sehr verträglichen Deutschen, die ansonsten eine hohe Toleranzschwelle für vertragswidriges Verhalten der EZB haben, könnte das zu viel sein.“

Vertrauen in den Euro sinkt

Das zögerliche Vorgehen der EZB schadet auch dem Ruf des Euro. Im Vergleich zum Dollar hat die europäische Gemeinschaftswährung bereits massiv an Wert verloren. Aktuell bekommt man für einen Euro etwa einen Dollar. Ein schwacher Euro verteuert aber die Einfuhr wichtiger Rohstoffe – wie zum Beispiel Gas. Das zieht Preissteigerungen für die Verbraucher nach sich, was wiederum die Inflation anheizt. Die Katastrophenszenarien, vor der Euro-Skeptiker bereits vor der Einführung gewarnt haben, scheinen sich jetzt (zumindest teilweise) zu bewahrheiten.

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