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Österreich

Hofburg-Wahl: Volksanwalt Rosenkranz wird FPÖ-Kandidat

Julian Schernthaner

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Die Entscheidung war mit Spannung erwartet worden – ist die FPÖ doch die einzige Parlamentspartei, die ankündigte, einen eigenen Kandidaten gegen Amtsinhaber Alexander van der Bellen ins Rennen zu schicken. Dass die Wahl nun auf Walter Rosenkranz fiel, überraschte bundesweit politische Beobachter.

Wien. – Die Freiheitlichen haben sich festgelegt: Bei der Bundespräsidentenwahl am 9. Oktober geht der Niederösterreicher Walter Rosenkranz an den Start. Das blaue Urgestein saß von 2008 bis 2019 im Nationalrat und war dort während der türkis-blauen Regierung sogar Klubobmann. Seitdem fungiert er als Volksanwalt. Er gilt als konsensfähiger Kandidat, der sowohl als Integrationsfigur zur Mobilisierung im eigenen Lager dienen kann, aber auch bürgerliche Wähler überzeugen.

Kann Rosenkranz den Amtsinhaber herausfordern?

Das Votum für den Juristen fiel im Parteipräsidium einstimmig aus, bei einem abwesenden Mitglied. Auch Politologen trauen ihm ein „achtbares“ Ergebnis zu. Ein Zuspruch jenseits der Umfragewerte der FPÖ (knapp über 20 Prozent) scheint durchaus möglich. Eine niedrige Wahlbeteiligung infolge stiller Unzufriedenheit mit Amtsinhaber Alexander van der Bellen könnte ihm zusätzlich in die Karten spielen.

Der Tiroler FPÖ-Chef Markus Abwerzger sieht in Rosenkranz jedenfalls einen „echten Herausforderer des Kandidaten des Systems“. Dieser sei trotz seines bürgerlichen Profils für seine „klare Kante für die Grund- und Freiheitsrechte“ bekannt.

Konkurrenzkampf auf beiden Seiten des Spektrums

Als großen Unsicherheitsfaktor wähnen Beobachter den Umstand, dass sich wohl mehrere Kandidaten um regierungskritische Stimmen bemühen. So will der ehemalige BZÖ-Politiker und politische Kommentator Gerald Grosz ebenso antreten wie MFG-Chef Michael Brunner. Beide brauchen allerdings noch 6.000 Unterstützungserklärungen, um tatsächlich am Wahlzettel zu stehen.

Der Amtsinhaber wiederum hingegen dürfte im linken Lager zusätzliche Konkurrenz durch Bierparteichef Dominik Wlazny alias „Marco Pogo“ bekommen. Der Rockmusiker und Arzt ist vor allem in Wien eine Identifikationsfigur im linken Lager. Im Idealfall für die regierungskritischen Kandidaten nimmt dieser „VdB“ gerade genug Stimmen weg, um eine Stichwahl zu erzwingen, in der man selbst als Zweitplatzierter dann auf die Stimmen der anderen Anti-Establishment-Kandidaten setzen könnte.

Wohl auch vor diesem Hintergrund streute auch Grosz dem eigentlichen Konkurrenten Rosenkranz Rosen. Auf Twitter schrieb dieser: „Gratuliere Walter Rosenkranz zur seiner Nominierung als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten! Ein guter Volksanwalt!“ Sogar die meisten Kritiker billigen ihm zu, bislang politisch „skandalfrei“ zu sein. Für einige Medien wichtig zu erwähnen war indes, dass er Alter Herr bei der Wiener akademischen Burschenschaft Libertas ist.

Für Leitmedien ist vdB bereits wiedergewählt

Der polit-mediale Betrieb geht indes fest von der Wiederwahl des früheren Grünen-Chefs Van der Bellen aus. Dies würde auch das „Gesetz der Serie“ vorschlagen: Jeder Bundespräsident, der in der Zweiten Republik für eine zweite Amtszeit antrat, wurde auch wiedergewählt. Zumeist geschah dies bereits im ersten Wahlgang, ohne die Notwendigkeit einer Stichwahl. Auch Van der Bellens beide Vorgänger Heinz Fischer (Ex-SPÖ) und Thomas Klestil (Ex-ÖVP) kamen so auf zwölf Jahre in der Hofburg.

Den Einstieg von Rosenkranz ins Rennen um die Hofburg werten viele daher als Versuch, freiheitliche Themen für eine allfällige Neuwahl des Nationalrats in Stellung zu bringen. Nichtsdestotrotz weisen sie darauf hin, dass der Amtsinhaber nun tatsächlich dazu angehalten sei, Wahlkampf zu betreiben. Detail am Rande: Obwohl „vdB“ sich erneut als „unabhängiger“ Kandidat positioniert, kamen fast 90 Prozent der Wahlkampfspenden bislang aus dem grünen Dunstkreis.

Bisheriges Abschneiden freiheitlicher Kandidaten

Das bislang beste FPÖ-Ergebnis schaffte Ex-Parteichef Norbert Hofer im Jahr 2016. Nachdem er die erste Runde mit 35 Prozent der Stimmen gewann, unterlag er in der Stichwahl nur knapp mit 49,65 Prozent. Weil mögliche Manipulation nicht ausgeschlossen werden konnte, musste die Wahl dann ein halbes Jahr später wiederholt werden, beim wiederholten Urnengang reichte es für 46,21 Prozent.

Einigen Erfolg – damals jeweils über dem Parteiergebnis im Bund – erlangten unter den freiheitlichen Kandidaten auch Barbara Rosenkranz (2010; 15,24 Prozent), die spätere LIF-Gründerin Heide Schmidt (1992; 16,4 Prozent) sowie Wilfried Gredler (1980; 16,96 Prozent).

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