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Gesellschaft

Bericht: Migranten-Gang missbrauchte über 1.000 Mädchen in Telford

Stefan Juritz

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Der lang erwartete Untersuchungsbericht zum Missbrauchsskandal in Telford erhebt schwere Vorwürfe gegen die Behörden.

Von den 1980ern bis in die 2010er-Jahre hinein wurden in der britischen Stadt Telford mehr als 1.000 Kinder unter Drogen gesetzt, sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen. Die Täter waren Zuhälterbanden pakistanischer Herkunft, die Opfer in der Regel weiße britische Mädchen zwischen elf und 14 Jahren. Bekannt wurde der Missbrauchsskandal 2018 durch Recherchen des britischen Mirrors. Kurz darauf leitete die Regierung eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle ein, deren Ergebnisse nun nach vier Jahren vorliegen.

Bericht zeigt Behördenversagen

Die Untersuchungskommission kam zu dem Schluss, dass es in der Causa erhebliche Versäumnisse seitens der Behörden – von Schule über Sozialarbeiter bis zur Polizei – gegeben habe. Demnach seien offensichtliche Hinweise auf Sexualverbrechen jahrelang ignoriert worden. Die Informationen zwischen den Behörden seien nicht ordnungsgemäß ausgetauscht worden. Zudem seien in den Akten der Polizei die betroffenen Mädchen als gewöhnliche „Prostituierte“ und nicht als Opfer von Missbrauch bezeichnet worden.

Besonders bedenklich: Die Vorgänge wurden vielfach nicht untersucht, weil die Behörden befürchteten, wegen der Vorwürfe gegen die pakistanischen Männer „rassistische Vorurteile“ zu bedienen. Von den rund 200 Männern, die im Verdacht stehen, zu den Zuhältern zu gehören, wurden bislang nur neun zu Haftstrafen verurteilt.

„Unzählige Kinder wurden sexuell missbraucht und vergewaltigt. Sie wurden absichtlich gedemütigt und erniedrigt. Sie wurden weitergegeben und verschleppt“, sagte Tom Crowther, der Vorsitzende der Untersuchungskommission.

Polizei und Stadtrat entschuldigen sich

Die Polizei von West Mercia entschuldigte sich nach Erscheinen des Berichts umgehend bei den Opfern und Überlebenden des Missbrauchsskandals für die Versäumnisse in der Vergangenheit. „Ich möchte mich entschuldigen. Es tut mir leid für die Überlebenden und alle, die von der sexuellen Ausbeutung von Kindern in Telford betroffen sind. Es wurde zwar keine Korruption festgestellt, aber wir haben bei weitem nicht die Hilfe und den Schutz geleistet, den Sie von uns hätten erhalten sollen, das war inakzeptabel, wir haben Sie im Stich gelassen. Es ist wichtig, dass wir uns jetzt Zeit nehmen, um kritisch und sorgfältig über den Inhalt des Berichts und die ausgesprochenen Empfehlungen nachzudenken“, erklärte der stellvertretende Polizeichef Richard Cooper in einer Stellungnahme.

Auch der Stadtrat von Telford teilte mit, sich bei den Opfern „von ganzem Herzen entschuldigen“ zu wollen: „Die sexuelle Ausbeutung von Kindern ist ein abscheuliches Verbrechen, das uns und alle vernünftig denkenden Menschen abstößt.“

Mehrere Fälle in Großbritannien

Der Fall von Telford ist jedoch nicht der einzige in Großbritannien. Nach einem ähnlichen Muster organisierte Missbrauchsfälle gab es u.a. auch in Rochdale, Oxford, Newcastle und Rotherham. Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielt der Missbrauchsskandal von Rotherham. Den Ermittlungen zufolge hatten die mehrheitlich pakistanischen Täter zwischen 1997 und 2013 mindestens 1.400 Kinder systematisch ausgebeutet und sexuell versklavt. Auch in diesem Fall schaute die Polizei jahrelang weg oder machte die Opfer für die an ihnen begangenen Verbrechen selbst verantwortlich.


Mehr zum Thema:

Regierung untersucht Missbrauchsskandal in englischer Stadt Telford (19.03.2018)

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