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Wirtschaft

Energiekrise spitzt sich zu: Sprit-Engpass und Gas-Rationierung befürchtet

Julian Schernthaner

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Die Warnung vor massiven Energie-Engpässen kommt nicht von irgendjemanden, sondern vom Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol. Man habe nun zeitgleich eine Ölkrise, eine Gaskrise und eine Stromkrise – die Situation sei somit dramatischer als in den Siebzigerjahren, als man lediglich eine Ölkrise zu bewältigen hatte.

Paris. – Laut Bericht der Jungen Freiheit, die sich auf Informationen des Spiegel beruft, sieht Fatih Birol eine drohende Treibstoff-Knappheit, die ausgerechnet zur Haupturlaubszeit schlagend wird, wenn die Nachfrage steigt: „Dann könnte es zu Engpässen kommen: etwa bei Diesel, Benzin oder Kerosin, besonders in Europa.“ Als Auslöser machte er den Ukrainekrieg und die folgenden Embargos sowie Ausfuhrverbote gegen einige Exportländer verantwortlich. Ein mögliches Gasembargo stimmt den türkischen Wirtschaftswissenschaftler besonders pessimistisch.

Drohende Rationierungen

Tritt ein solches in Kraft, so Birol voller Sorge, könne es im Winter sein, dass „Gas rationiert werden muss: vor allem in Staaten, die besonders abhängig von russischen Lieferungen sind. Dazu gehört leider auch Deutschland.“ Noch schlimmer sieht die Situation dann allerdings für Österreich aus: Unser Land ist derzeit noch zu etwa 80 Prozent von russischem Gas abhängig. Darüber hinaus vereinbarte die teil-staatliche OMV offenbar bis 2040 laufende Verträge mit einer Zahlungsgarantie.

Vor dem Hintergrund der drohenden Rationierung schließt sich Birol faktisch der Empfehlung mehrerer Politiker an, welche die Bürger anwiesen, gegen Putin bzw. „für die Freiheit“ zu frieren. Der IEA-Chef führt aus: „Wenn die Raumtemperatur überall um zwei Grad niedriger wäre, könnte Europa 20 Milliarden Kubikmeter Gas einsparen.“ Dies entspreche etwa der Winter-Liefermenge Russands über die Ostsee-Pipeline Nord-Stream 2. Er hoffe aber auf einen „kurzen, milden Winter.“

Sanktionen gegen Russland

Dass ein Gasembargo in den kommenden Monaten noch kommen könnte, gilt als ausgemachte Sache. Erst am Montag einigten sich die Staats- und Regierungschefs der EU auf ein Embargo für Öl-Importe auf dem Seeweg aus Russland. Dieses war Teil des bereits sechsten Sanktionspakets. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bedankte sich bei der EU dafür, empfindet das Ausmaß der bereits in Kraft seienden Maßnahmen allerdings nicht als ausreichend. Er forderte daher die baldige Schnürung eines siebten Pakets.

„Wir werden an neuen Einschränkungen gegen Russland für diesen Krieg arbeiten. Letzten Endes sollte es gar keine nennenswerten wirtschaftlichen Verbindungen zwischen der freiem Welt und dem Terrorstaat geben“, schickte das Staatsoberhaupt in Richtung seines Nachbarlandes. Selenskyj erklärte zudem, dass der Verzicht auf russisches Öl den EU-Ländern auch beim Übergang auf erneuerbare Energien helfen würde. Er behauptete weiter, dass Russland somit um Millionen Euro an Öl-Erlösen umfalle. Energieexperten bezweifeln den Effekt mit dem Hinweis auf steigende Weltmarktpreise.

„Keine intelligente Maßnahme“

Infolge der großen Abhängigkeit Österreichs von russischem Gas musste zuletzt auch Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) eingestehen, dass es sich bei einem Gas-Embargo um „keine intelligente Maßnahme“ handle. Als es am Montag im zuständigen Ausschuss des Nationalrats darum ging, als Land ein Veto gegen ein Öl- oder Gas-Embargo anzustreben, schien allerdings alles anders auszusehen. Denn ein entsprechender FPÖ-Antrag wurde von allen übrigen vier Parlamentsparteien niedergestimmt.

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