Connect with us

Österreich

WEF-Gipfel doch ohne Nehammer: Kanzler sagt Reise nach Davos ab

Julian Schernthaner

Published

on

Knalleffekt: Der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) wird entgegen ursprünglicher Pläne doch nicht am Jahrestreffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in der Schweiz teilnehmen. Dennoch ist Österreich beim Gipfel der Denkfabrik um den umstrittenen Ökonomen Klaus Schwab in Form von Außenminister Alexander Schallenberg und Finanzminister Magnus Brunner (beide ebenfalls ÖVP) vertreten. Nehammer erklärt seine Absage damit, sich um „dringende innenpolitische Verpflichtungen“ kümmern zu wollen.

Wien/Davos. – Eigentlich hätte nach Davos reisen wollen, wo er noch am heutigen Dienstagabend an einem Plenum zu „Europas globaler Rolle“ hätte teilnehmen sollen. Am morgigen Mittwoch hätte er dann dort bei einem Einzelgespräch auftreten sollen. Damit wäre er in „guter Gesellschaft“ gewesen – denn mehr als die Hälfte der EU-Staaten sind mit Staats- und Regierungschefs vor Ort. Dort beraten sie mit weiteren globalisierungsfreundlichen „Stakeholdern“ über eine breite Palette an Themen, die über geopolitische und wirtschaftliche Bereiche weit hinausgehen. Das diesjährige Programm des von eigenen Polizeikräften abgeriegelten Gipfels umfasst nicht weniger als 90 Seiten.

„Globale Zusammenarbeit“ & Digitalisierung

Ein zentrales Augenmerk sind neben dem Klimathema und der Ukraine-Krise sowie der Frage zur „Vorbereitung auf die nächste Pandemie“ (auch IT-Guru und WHO-Financier Bill Gates nimmt an einem diesbezüglichen Plenum teil) auch diesmal Digitalisierungsthemen. So können die Besucher in die virtuelle Realität des „Global Cooperation Village“ eintauchen. Das WEF sieht in der Metaverse-Technologie eine Gelegenheit, die „globale Zusammenarbeit“ zu stärken. Auch die aktuellen Pläne für digitales Zentralbank-Geld und den Ausbau der Online-Zensurmechanismen stehen auf dem Programm.

Der Gipfel, der seit Sonntag stattfindet und noch bis Donnerstag andauert, steht diesmal unter dem Motto „Geschichte an einem Wendepunkt: Regierungspolitik und Geschäftsstrategien“. Das WEF sprach im Vorfeld vom „folgenreichsten geopolitischen und geo-ökonomischen Moment der letzten drei Jahrzehnte“. Nicht zuletzt aufgrund dieses Anspruchs und der illustren Gästeliste – insgesamt kommen 2.500 Gäste, davon mehrere hundert Amtsträger von allen Kontinenten – sehen viele Kritiker in den Zusammenkünften in Davos ein wichtiges Puzzleteil einer globalistischen Agenda.

Elitärer Ruf: Seit Jahren viel Kritik an Schwab & Co.

Das WEF und sein Gründer Klaus Schwab stehen seit Jahren in der Kritik. Der französische Philosoph Renaud Camus sprach bereits im Jahr 2019 von einer „Davokratie“, bei welcher die Financiers und Multis – eine „Internationale der Technokraten“ – auf eine Menschheit ohne Unterschiede abzielen, in welcher alle Weltenbürger austauschbar seien. Diesen Eindruck gewannt der Intellektuelle damals vor dem Themenkomplex der Migrationskrise sowie der von ihm als „Großer Austausch“ bezeichneten Umkehrung der demographischen Mehrheitsverhältnisse zulasten autochthoner Europäer.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde das WEF-Wirken ab dem Sommer 2020 bekannt, als Schwab als Co-Autor des Buches „Covid-19: Der große Umbruch“ in Erscheinung trat. Darin bewarb er mehr globale Zusammenarbeit und Verzahnung: Später erklärte er mehrmals, Nationalstaaten für ineffizient zu halten. Den sogenannten „Great Reset“, den er empfahl, würde nach Ansicht vieler Globalisierungskritiker aber nicht zu einer „gerechteren Welt“ führen, sondern vielmehr zu einem Machtausbau der aktuellen Eliten zulasten einfacher Bürger, die gleichzeitig mit Verboten und Überwachung eingedeckt würden.

Anfrage: An welche WEF-Deals hält sich Österreich?

Dass sich die österreichische Bundesregierung ausgerechnet in einem solchen Umfeld austauschen will, stieß unzähligen Bürgern bereits sauer auf, als Ex-Kanzler Sebastian Kurz am exklusiven Davos-Treffen teilnahm. Besonders brisant: Im Falle anderer europäischer Amtsträger wie dem niederländischen Premierministers Mark Rutte wurden „informelle Mittagessen“ mit WEF-Vertretern sowie verbindliche Verträge und Abmachungen mit der Schwab-Denkfabrik publik. Vor diesem Hintergrund richtete der FPÖ-Mandatar Gerald Hauser vor zwei Wochen eine Anfrage an Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne), um zu ergründen, ob es auch mit Österreich irgendwelche WEF-Absprachen gibt.

Dabei will er prüfen, ob der Minister, seine Vorgänger oder andere Beamten des Ministeriums eine Einladung zu WEF-Treffen bekamen oder daran teilnahmen. Entsprechende Dokumente seien bereitzustellen. Außerdem möge offengelegt werden, welche verbindlichen Beschlüsse fielen, inwieweit diese Österreich betreffen – und wie sich diese Verbindlichkeit legitimiere. Weiters möge der Minister erklären, an welche weiteren Deals sich Österreich stillschweigend hält – sowie in beiden Fällen eine Ausstiegsroute darlegen. Vergangene Woche erweiterte Hauser seine Anfrage auch auf die übrigen Ministerien und das Bundeskanzler. Angesichts der Davos-Reise von zumindest Brunner und Schallenberg darf man auf die Antworten gespannt sein.

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Beliebt