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Kultur

FILM: „Je suis Karl“ – Krampf gegen rechts

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Schon Ende letzten Jahres landete mit „Je suis Karl“ nach „Und morgen die ganze Welt“ der zweite explizit antifaschistische Film in deutschen Kinos. Wie auch in „Und morgen die ganze Welt“ ist auch dieser mittlerweile auf Streamingplattformen wie Netflix zu finden. Ein Grund, sich dieses Machwerk einmal genauer anzusehen.

Eine Leserrezension

Subtilität scheint keine Stärke antifaschistischer Filme zu sein. Ob „Und morgen die ganze Welt“, die Tatortfolgen „Hydra“ und „National Feminin“ oder nun „Je suis Karl“, immer sind die realpolitischen Vorlagen der filmischen rechten Bösewichte leicht erkennbar. Mit „Je Suis Karl“ hat es nach „National Feminin“ nun zum zweiten Mal die Identitäre Bewegung getroffen. War sie im deutschen Krimi noch als „Junge Bewegung“ dargestellt, ist sie nun als „re/Generation europe“ verballhornt. Und wie üblich können Rechte nicht als das dargestellt werden, was sie sind, sondern als das, was Linke sich darunter vorstellen.

Platte Handlung

Die Führungsfigur, Karl, nach dem schließlich auch der Film benannt ist, wirkt dabei wie eine Mischung aus einem H&M-Modell und einem Superbösewicht aus einem alten James-Bond-Film. Denn der charismatische junge Mann ist nicht nur politischer Führer, sondern geht bei seiner politischen Mission zynisch und emotionslos über Leichen, ohne natürlich dass die von netten Instagram-Videos verführte Menge etwas davon weiß. Emotionen, zwiespältige Charaktere, Graustufen zwischen Schwarz und Weiß? Fehlanzeige. Eine korrekte Darstellung identitärer Positionen? Undenkbar. Echter Idealismus? Nicht zu finden, nur politischer Zynismus. Selbst der linkslastige „Spiegel“ attestierte dem Film daher zurecht „gnadenlose Plattheit“ und fragt, ob „es ein Publikum gibt, dem man so dumm kommen muss“.

Eine Frage, die auch angesichts der Handlungsgeschichte berechtigt ist, nachdem die Hauptdarstellerin Maxi Opfer eines von Rechten gefälschten islamistischen Bombenanschlags wird und sich prompt diesen rechten Tätern anschließt. Damit nimmt die Geschichte ihren Lauf und die nicht minder linkslastige „Zeit“ urteilt: „ Der Film wird immer simpler, je weiter er seinem Schluss zustrebt, bis wohin man nicht mehr zusehen mag.“ Wer es dennoch schafft, darf sich zumindest als Patriot über ein Happy End freuen – eine ungewöhnliche Ausnahme zu sonstigen linken Filmprojekten.

Kaum Unterhaltung

Auch „Je suis Karl“ wurde mit viel Steuergeld finanziert und nur für seine Thematik bereits im Vorfeld entsprechend gelobt. Wenig überraschend wird er zudem auch zum Einsatz im Unterricht empfohlen. Die 126 Minuten kann man, wie eingangs erwähnt, nun auch auf Netflix und Co ansehen und vielfältig verwenden. Ob als Selbstgeißelung, Konsumansporn für „Pils Identitär“ oder als Nackentraining aufgrund des vielfältigen Kopfschüttelns, „Je suis Karl“ eignet sich für die unterschiedlichsten Zwecke, nur nicht zur Unterhaltung. Wer zudem nach einem cineastischen Blick auf die Neue Rechte sucht, dürfte zusätzlich enttäuscht werden. Der Film verrät weit mehr über die Gedanken seiner Regisseure als über die Patrioten Europas. Doch angesichts der platten Stereotypen taugt er nicht nur mal zur Analyse der gegnerischen Propaganda. Wer sich den Streifen dennoch antun mag, muss mittlerweile wenigstens kein Geld mehr dafür ausgeben.

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