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Meinung

Dreieinhalb Jahre Haft für Julian Hessenthaler

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Gestern befand ein Schöffensenat den sogenannten „Ibiza-Detektiv“ und selbsternannten „Freiheitskämpfer“ Julian Hessenthaler des Kokainhandels und der Dokumentenfälschung für schuldig. Dreieinhalb Jahre Haft für Hessenthaler und damit alle Zutaten für Märtyrer- und Legendenbildung.

Als im Mail 2019 das Ibiza-Video die Republik in eine Staatskrise katapultierte und die beiden Hauptprotagonisten HC Strache und Johann Gudenus in die politische Frührente schickte, war ein paar Wochen später schon klar, dass einer der Hauptprotagonisten, der sogenannte „Ibiza-Detektiv“ Julian Hessenthaler zuerst Gudenus und dann Strache in die Falle lockte. Das online-Magazin „EU-Infothek“ hatte auf Basis eigener Recherchen schnell den Klarnamen von Hessenthaler herausgefunden.
Hessenthaler startete diese Aktion – nach eigenem Bekunden – als gesellschaftspolitisches Projekt zur Rettung der Republik und im Kampf gegen die erstarkten Rechtspopulisten. Dafür baute Hessenthaler, damals unter dem Deckmantel „Thaler“ zuerst ein Vertrauensverhältnis zu Gudenus auf, der ihm im April 2017 sogar im Wiener Rathaus empfangen hat. Ziel war jedoch die eigentliche „Nr. 1“, der damaligen FPÖ-Chef HC Strache. Das „Projekt“, war dann auch ziemlich erfolgreich und Hessenthaler ließ sich in der linken Schickeria auch als „Freiheitskämpfer“ abfeiern. Natürlich hatte keiner der Beteiligen, neben Hessenthaler spielte auch der Wiener Rechtsanwalt Ramin Mirfakhrai eine wesentliche Rolle, jemals finanzielles Interesse, woher denn.

Gut vertreten, fast heiliggesprochen

Bemerkenswert an der Person Hessenthaler ist, dass er bei der Wahl seiner Rechtsvertretung zuerst auf den einschlägig bekannten Johannes „Joni“ Eisenberg setzte, der ja auch schon so sympathische Zeitgenossen wie etwa Erich Mielke, Volker Beck und den RAF-Terroristen Christian Klar verteidigte und in Österreich zeitweise von Alfred Noll vertreten wurde. Wie er sich diese Anwälte leisten kann, sei dahingestellt, tatsächlich wurde Hessenthaler im Jahr 2020 in Berlin festgenommen und nach juristischem Geplänkel nach Österreich ausgeliefert.

Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft war indes keineswegs mit dem Ibiza-Video in Zusammenhang zu bringen. Hier gab und gibt es keinerlei strafrechtlich relevante Vorwürfe, die in Österreich die Strafverfolgungsbehörden interessiert hätten. Hessenthaler wurde nunmehr wegen Suchtgifthandels mit 1.250 Gramm Kokain und Dokumentenfälschung verurteilt.

Böse Zungen sprechen jetzt davon, dass dieses Urteil quasi ein „Ersatz“ für die Ibiza-Falle gewesen wäre. Die linke Twitteria verlangt ohnehin seit Monaten die Heiligsprechung von Hessenthaler, aber auch Teile der ÖVP dürften nicht ganz traurig über das Urteil sein. War es doch Hessenthaler, der vor dem deutschen Wirecard-U-Ausschuss von kompromittierendem Material sprach, das angeblich über Sebastian Kurz existiert. Als Hessenthaler das aussagte – auch dabei soll es um Drogenangelegenheiten gehen – war Kurz noch Bundeskanzler.

Jetzt könnte man meinen, dass dieser Julian Hessenthaler allenfalls ein politischer Aktivist wäre, der einfach seine eigene Agenda vertritt. Das bestreitet er jedoch massiv. So sagt er etwa in Wien vor dem U-Ausschuss: „Ich sah mich zu dem Zeitpunkt weiß Gott nicht als politisch, ich war nie wählen, ich war nie auf einer politischen Demonstration, sonst was. Also es ist nicht so, dass ich als politischer Aktivist in die Sache gegangen bin.“

Was war der Antrieb?

Was also hat Hessenthaler angetrieben? War es doch die Chance auf das große Geld? Oder haben seine ehemals guten Kontakte ins Bundeskriminalamt – er hat mit dieser Behörde ja auch beruflich zusammengearbeitet – die Motivlage beeinflusst? Wir wissen es nicht und Hessenthaler schweigt dazu.

Einschlägige Chat-Nachrichten lassen den Verdacht zu, dass es sehr wohl um Geld gegangen ist. So kamen etwa „die Roten Idioten mit dem Geld nicht weiter“, und einem bekannten Porno-Darsteller, dem Hessenthaler rund 70.000 Euro schuldete, vertröstete er auch die Zeit, nachdem „der Spiegel gezahlt“ habe. Eventuell hat Hessenthaler ja jetzt den inneren Antrieb, um die wirklichen Auftraggeber hinter dem Ibiza-Video an die Öffentlichkeit zu bringen. Eventuell besitzt er den Mut, darüber zu sprechen oder zu schreiben. Er hat im Gefängnis sicher genug Zeit, um über seine bisherigen Taten nachzudenken.

Tatsächlich ist er sicher für manche Zeitgenossen noch eine tickende Zeitbombe. Und das macht ihn möglicherweise auch zur Zielscheibe. Bleibt nur zu hoffen, dass er den Aufenthalt im Staatsgewahrsam gut übersteht. In österreichischen Gefängnissen kann es ganz schön ungemütlich werden. Auch das sollte übrigens einmal von einer unabhängigen – eventuell ausländischen Behörde – untersucht werden.

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