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Gesellschaft

„Ein neues totalitäres Zeitalter ist angebrochen“

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In unserem Buch Mit Linken leben, erschienen 2017 am Höhepunkt der „rechtspopulistischen“ Welle, versuchten Caroline Sommerfeld und ich die „Spaltung der Gesellschaft“ zu analysieren, die damals in aller Munde lag. Niemals hätten wir uns träumen lassen, dass es noch viel, viel schlimmer kommen würde.

Trotz des Titels haben wir diese gesellschaftliche Spaltung in unserem Buch nicht direkt anhand der Linien „links“ und „rechts“ im streng politologischen Sinne festgemacht. Als die drei wesentlichen „Bruchlinien“ erschienen uns: 1. Vertrauen vs. Misstrauen in etablierte Politik und Leitmedien, wie wir auch überhaupt im „Vertrauensverlust“ den „Kern der Polarisierung“ sahen; 2. Realismus vs. Utopismus; und 3. Globalismus vs. Partikularismus.

Gespaltene Gesellschaft

Die aktuelle Spaltung durch die Corona-Politik weist frappante Parallelen auf. Zwar haben sich neue Schnittmengen gebildet, aber einige Muster sind gleich geblieben: Praktisch das gesamte rechte Spektrum steht heute im Lager der „Maßnahmenkritiker“ und auf der Seite der individuellen Freiheit, während das linke Spektrum überwiegend Lockdowns, Maskenpflicht oder Impfzwang befürwortet, ja zum Teil fanatisch einfordert. Das ist eine etwas seltsame Wendung der Geschichte, standen doch historisch gesehen die Konservativen eher für hierarchische, autoritäre Gesellschaftsordnungen, während die Linken danach trachteten, Individuen und Klassen zu „emanzipieren“, ein Bestreben, das in der Regel rasch in sein dialektisches Gegenteil, den Jakobinerstaat und den egalitären Kollektivismus umschlug.

Auf der anderen Seite pappt das herrschende System seinen Kritikern das altbewährte Feindetikett auf: „Querdenker“ und „Verschwörungstheoretiker“, egal aus welcher Ecke sie kommen, werden pauschal mit einem „rechten“ Ruch belegt. Körperliche Selbstbestimmung, Einforderung von Grundrechten, Misstrauen in die „Experten“, „informierte Einwilligung“, Zweifel am grenzenlosen Wohlwollen von Bourla, Schwab und Gates, Kritik an „Impf-Apartheid“ – das alles ist jetzt „rechtsextrem“ und „demokratiefeindlich“. Auf der anderen Seite ist „Corona“, kristallisiert und zugespitzt in der Impffrage, neben dem Antirassismus, dem LGBT-Kult und dem Klimaschutz zum weiteren fixen Glaubenssatz der Linken geworden. Auch hier treffen unsere Analysen aus dem Jahr 2017 ziemlich genau zu: Impffanatismus ist eine „Klassendistinktion“, die der Erhöhung des sozialen Status und dem „virtue signalling“ (der „Tugendprahlerei“) dient; das Versagen der Impf-“Utopie“ (analog zum Versagen der Multikulti-Utopie) gebiert Ressentiments und den Zwang, nach Sündenböcken zu suchen; wer der Corona-Doktrin nicht zustimmt, verwirkt sein Menschsein und sein Recht auf humanitäre Behandlung, ob als ungeimpfter Patient im Krankenhaus oder als 2G-Aussätziger, der keine öffentlichen Orte mehr betreten darf.

„Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz“

Die Mentalität ist dieselbe wie im berüchtigten „Lied der Partei“: Wer das Leben beleidigt,/ Ist dumm oder schlecht./Wer die Menschheit verteidigt,/Hat immer recht.“ Kryptoreligiös Corona-Gläubige sind gleich den Linken „Komplizen des Globalismus“, die den kosmischen Reichtum der Pharmakonzerne und Tech-Milliardäre zu mehren helfen und die Vorhut einer technokratischen Weltregierung bilden. Identisch sind auch die diskursiven Methoden, derer sie sich bedienen, um sachlichen Argumenten auszuweichen, allen voran das „Gaslichtern“, eine besonders bösartige Form der Manipulation, die darauf abzielt, dem anderen die eigenen Wahrnehmungen auszureden. Damit eng verbunden ist der Hang der Linken zur psychologischen Projektion, den wir zum „Lichtmesz-Sommerfeld-Gesetz“ zuspitzten: „Alles, was Linke über Rechte sagen, schreiben, denken, trifft immer und ausnahmslos auf sie selber zu.“ Man könnte es etwa so adaptieren: „Alles, was Maßnahmenfanatiker über Maßnahmenkritiker sagen, schreiben, denken, trifft immer und ausnahmslos auf sie selber zu.“

Der frühere Ärztekammerpräsident Frank Ulrich Montgomery lieferte das klassische Beispiel, als er von einer „Tyrannei der Ungeimpften“ sprach, um die Tyrannei gegen die Ungeimpften zu rechtfertigen. Der Maßnahmenfanatiker gibt den „Maßnahmenverweigerern“ die Schuld, dass „die Pandemie“ nicht endet, während es in Wahrheit seine eigene Gefügigkeit ist, die den Alptraum ins Unendliche verlängert. Als Leitartikler, Social-Media-Influencer oder politischer Wortführer gibt er sich „solidarisch“ und humanistisch, während er einem Drittel der Bevölkerung den Entzug der Grundrechte oder gar den Tod an den Hals wünscht. Er hält den Maßnahmenkritiker für einen paranoiden „Schwurbler“, während er selber in ständiger Virenpanik lebt, sich trotz „Vollimmunisierung“ und FFP2-Maske von Ungeimpften bedroht fühlt und keinen kohärenten Gedanken formulieren kann. Er glaubt, „die Wissenschaft“ auf seiner Seite zu haben, während er nur wechselnde Propagandaphrasen wiederkäut.

Die Liste ließe sich noch um etliche Punkte fortsetzen. Selbst wenn der Corona-Spuk eines Tages vorbeigehen sollte, wird er dauerhafte Spuren der Zerrüttung hinterlassen. Die liberale Demokratie liegt in ihren letzten Zügen, aufgelöst in einer Hirnpest aus Angst, Desinformation und Infantilisierung. Ein neues totalitäres Zeitalter ist angebrochen.

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