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Österreich

Lockdown in zwei Bundesländern fix, restliches Österreich könnte folgen

Julian Schernthaner

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Seit heute ist es klar: Sowohl in Oberösterreich als auch in Salzburg wird es einen kompletten Lockdown für alle Bürger geben. Nicht zuletzt vor der Dynamik des bisherigen „Lockdowns für Ungeimpfte“ halten Beobachter es allerdings für wahrscheinlich, dass der Bund demnächst nachzieht.

Salzburg/Linz. – Die beiden ÖVP-Landeshauptleute Wilfried Haslauer (Salzburg) und Thomas Stelzer (Oberösterreich) preschten mit ihren Plänen vor. In ihrem Einflussgebiet wird es einen regionalen Total-Lockdown auch dann geben, wenn sich der Bund nicht darauf einigen kann, einen solchen in ganz Österreich einzuführen. Grund dafür ist die angebliche Überlastung des Gesundheitssystems. Die Details wurden am Donnerstagnachmittag bekannt gegeben.

Harter Lockdown einen ganzen Monat lang

Demnach soll der Lockdown in beiden Bundesländern mehrere Wochen andauern. Oberösterreich visiert an, diesen bis zumindest 17. Dezember durchzuziehen. In Salzburg ist von drei bis vier Wochen die Rede. Das heißt: Auch Handel, Gastronomie und Hotellerie müssen bereits am Montag ihre Pforten für alle Kunden schließen. Ausgenommen sind Geschäfte, die zur Deckung des täglichen Grundbedarfes dienen. Die Abholung von Bestellungen bleibt gestattet.

Nicht so recht einigen konnte man sich bei der Schulfrage. Nachdem Haslauer bereits die Schließung der Schulen verkünden wollte, bestand Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) darauf, dass diese idealerweise offenbleiben sollten. Die österreichische Lösung ist nun, dass die Schulen offen bleiben, man die Eltern aber bittet, ihre Kinder möglichst zuhause zu lassen. In allen Schulstufen herrscht bei Präsenzunterricht dann Maskenpflicht.

Insider halten bundesweiten Lockdown für denkbar

Erst vor wenigen Wochen schloss die türkis-grüne Koalition aus, dass es für Geimpfte noch einmal einen Lockdown geben könnte. Die Schallenberg-Koalition müsste also im Falle der bundesweiten Totalsperre wortbrüchig werden – allerdings hatte zuvor bereits der grüne Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein einen generellen Lockdown in den Raum gestellt. Einige ÖVP-Politiker kokettieren hingegen mit der allgemeinen Impfpflicht, etwa der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP).

Bislang gibt es keine offiziellen Aussagen, wonach der Lockdown das gesamte Bundesgebiet betrifft. Doch mehrere Medien halten dies für wahrscheinlich. Der oberösterreichische Wochenblick beruft sich etwa auf einen Insider, wonach ein Bundes-Lockdown ab Dienstag beschlossene Sache sei. Die Kleine Zeitung wiederum hält einen „Lockdown, der nicht Lockdown heißt“ für möglich. Die Verhandlungen bei der Landeshauptleutekonferenz am Achensee in Tirol sollen am morgigen Freitag stattfinden.

Salzburg/OÖ: Debatten um das Gesundheitssystem

Dass Salzburg und Oberösterreich nichtsdestotrotz einen Lockdown für alle – also auch für Geimpfte und Genesene – einführen, ist wohl auch eine Folge der medialen Debatten der letzten Tage. Darin wurde kolportiert, dass das Gesundheitssystem in beiden Ländern vor dem Kollaps stehe. Angeblich stünden Triagen direkt bevor. Die offiziellen Zahlen wiederum lassen einen Zweifel am Narrativ aufkommen. Denn in Oberösterreich sind zahlreiche Intensivbetten frei – und in Salzburg sind diese beschränkt. In beiden Bundesländern ist zudem der Anteil der Impfdurchbrüche im Spital beträchtlich.

So sind in Oberösterreich derzeit jeweils ein gutes Drittel der Betten mit Corona-Patienten und Nicht-Covid-Patienten belegt. Weitere 34 Prozent der Betten wären aber noch frei – 112 freie Intensivbetten sind auch in absoluten Zahlen der österreichweite Spitzenwert. Anders ist es in Salzburg. Dort sind zwar nur 31 Betten (23 Prozent) mit Corona-Patienten belegt, der Gesamtbelag beträgt aber 84 Prozent. Demnach sind nur mehr 22 Betten frei. Hier identifizieren Kritiker einen systemischen Fehler, der womöglich weiter zurückreicht als die Coronakrise.

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