Connect with us

Österreich

Faßmann will geimpfte Schüler von Test- und Maskenpflicht ausnehmen

Julian Schernthaner

Published

on

Bildungsminister Heinz Faßmann (auf ÖVP-Ticket) nannte erste konkrete Details, wie er sich den Schulalltag im Herbst vorstellt. Dabei könnte es durchaus einen Unterschied zwischen geimpften und ungeimpften Kindern geben.

Wien. – Die türkis-grüne Regierung trommelt seit der Freigabe der Vakzine ab 12 Jahren kräftig für eine Impfung auch der Jugendlichen. Als zusätzlichen Anreiz dafür wollen sie nun den Schülern andere lästige Pflichten erlassen, etwa jene zur Maskentracht sowie zu den dreifachen Testungen pro Woche. Bei den Freiheitlichen schrillen ob dieser Pläne die Alarmglocken, FPÖ-Chef Herbert Kickl warnte davor, dass die Volkspartei mit dieser Zweiklassengesellschaft in der Schule „in den Impfzwang“ dränge.

Privilegien für Geimpfte „generell Regierungslinie“

Seinen Vorstoß begründete Faßmann damit, dass „ein junger Mensch, der geimpft in der Klasse sitzt, etwas davon haben“ soll. Dass man sich eine solche Vorgehensweise auch für andere Teile des öffentlichen Lebens vorstellen kann, ließ er laut einer „profil“-Vorausmeldung ebenso anklingen: „Privilegien für Geimpfte. Das ist generell Regierungslinie.“ Den Bundesländern empfiehlt er die Einrichtung von Impfboxen nahe Schulstandorten, eine detaillierte Strategie möchte der Minister in der kommenden Woche bekannt geben.

Kickl: Impfdruck „medizinisch fragwürdig und unethisch“

Für FPÖ-Chef Herbert Kickl ist ein solcher Impfdruck „medizinisch äußerst fragwürdig und jedenfalls unethisch“. Mit einer solchen Coronastretagie lasse Faßmann „für den Herbst schlimme Chaostage erahnen“. Durch den Abschaffung des Test- und Maskenzwangs nur für Geimpfte erhöhe er den Druck auf alle Eltern und Kinder. Das Ziel der Aktion sei offenbar, die „bis heute nur mit einer Notzulassung verfügbare Corona-Impfung möglichst breitflächig unter die Kinder zu bringen.“

Damit entwickle sich Faßmann zu „einem der lautesten Befürworter der vollkommen evidenzbefreiten Coronastrategie seines Bundeskanzlers“. Dabei hätten gerade die jüngsten Zahlen und Entwicklungen gezeigt, dass „die Impfung weder vor Erkrankung noch vor Ansteckung und schon gar nicht vor Infektionsübertragung schützt“. Der vielbeschworene ‚Game-Changer‘ sei „in Wahrheit ein Rohrkrepierer mit ungewissen gesundheitlichen Risiken“, so Kickl in einer Aussendung.

Schuljahr ohne Impf-, Test- und Maskenzwang gefordert

Dass man eine solche Impfung noch immer als Allheilmittel sehe, se „nicht nur absurd, es widerspricht auch jeglichen Erfahrungswerten aus jenen Gebieten, die heute schon eine weit höhere Durchimpfrate haben als die Alpenrepublik.“ Dabei verwies Kickl auf hohe Zahlen von Impfdurchbrüchen aus Israel sowie beim bundesdeutschen Nachbarn. Stattdessen solle Faßmann „endlich zur Vernunft kommen und den Kindern und Jugendlichen den Spießrutenlauf zwischen Tests, Impfung und Vollmaskierung im Unterricht ersparen.“

Laut Kickl sei Corona „für Kinder und Jugendliche […] schon bisher mit absolut geringem Risiko verbunden gewesen.“ Auch die jüngste Variante lasse bei dieser Altersgruppe „keinerlei erhöhtes Gesundheitsrisiko vermuten.“ Er richtete daher einen Appell an den Bildungsminister: „Lassen Sie unsre Kinder in Ruhe und sorgen sie dafür, dass diese endlich wieder ein normales Schuljahr ohne Schulschließungen, aber auch ohne Impf-, Test- und Maskenzwang absolvieren können!“

SPÖ und NEOS kritisieren unausgereiftes Konzept

Für Kinder, die das Impfangebot nicht wahrnehmen, möchte Faßmann bei der Test-Strategie eine Mischung aus Antigen-Tests und PCR-Tests einsetzen. Grund dafür ist offenbar, dass die Kapazitäten der Labors derzeit nicht dafür ausreichen, täglich hunderttausende Schüler-PCR-Tests zu bewältigen. Von seiner insgesamten Strategie erhofft sich der Minister auf türkisem Ticket, von Schulschließungen und Schichtbetrieb absehen zu können. Kritiker befürchten hingegen, dass diese trotzdem kommen könnten – oder alternative eine direkte oder indirekte Impfpflicht für Schüler irgendwann absehbar ist.

Weniger kritisch als die Freiheitlichen äußerten sich SPÖ und NEOS zu den Plänen. Dennoch waren sie nicht nur des Lobes für den Vorstoß. Die Sozialdemokraten ärgern sich, dass Faßmann sich mit konkreten Inhalten ihrer Ansicht nach zu viel Zeit lässt. Die NEOS hingegen vermissen bislang ein „ganzheitliches, gut abgestimmtes Konzept“, das neben der Infektionslage auch die körperlichen, seelischen und geistigen Folgen der Pandemie berücksichtige. Die Aufstockung der Schulpsychologen um 20 Prozent reiche hierfür nicht aus. Niederschwellige Impfangebote begrüßen sie hingegen.

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Beliebt