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Österreich

Meinung der anderen: Krawall kann er

Redaktion

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Bei Herbert Kickl ist man sicher, dass Medien im Mainstream wissen, dass sie mit dem designierten Bundesparteiobmann das haben, was sie von Freiheitlichen wollen: etwas zum Ablehnen.

Verschwörungstheorien sind kein neues Phänomen auf Seiten der extremen Linken, sie sind nur deutlich weniger aufgearbeitet, als jene auf Seiten der anderen Feldpostnummer: „Während Kickl die außerparlamentarische faschistische Rechte umarmt, sichert er sich gleichzeitig gegen sie ab“, analysiert hier die deutsche „junge welt“. So stelle er sich hinter einen Parteivorstandsbeschluss, der eine Unvereinbarkeit zwischen einer Mitgliedschaft bei den „Identitären“ und einer FPÖ-Funktionärstätigkeit feststellt. Der Autor weiß warum: „Dahinter steckt Kalkül. Im außerparlamentarischen rechten Milieu ist in Österreich eine Radikalisierung und Tendenz zur Bewaffnung beobachtbar. Sollte es aus dieser Szene zu Anschlägen kommen, kann die FPÖ sich distanzieren.“ Junge, Junge, die „junge welt“ kennt sich aber aus. Der Artikel über Kickl titelt „Krawall kann er“. Die Genossen vom „neuen deutschland“ genießen es, ihn gastronomisch scharf als „Gebräunter Chili“ zu präsentieren.

„In Wahlkämpfen hat Herbert Kickl den Reiz des Volksdemagogen für sich entdeckt. Jetzt will er mehr und wird es wohl bekommen“, weiß Christa Zöchling im profil ebenfalls. Kickl zündle, meint sie: „Das ist sein Erfolgsmodell. Aus dem Mann im Schatten ist ein Volkstribun geworden, eine Zornsammelstelle ohne Vision, gebunden durch die Kraft der Negation. Derzeit ist das eben: ‚Kurz muss weg.’“ Ob das reichen werde, so Zöchlings rhetorische Frage: „Wenn Corona vergessen ist und Kurz eventuell sein Amt ruhend gestellt hat, wird aus dem Austro-Trump womöglich wieder der Büttenredner werden, der Scherze über Tom und Jerry macht. Doch dann ist es für die FPÖ zu spät. Der Biedermann, den sie hatte und nun gut gebrauchen könnte, ist weg, und der Brandstifter a.D. erreicht nur noch die Ränder des Wählerspektrums.“ Wir merken, Hofer wäre ihr lieber gewesen für das Dritte Lager. Aber natürlich ist auch das keine Herzensangelegenheit und kein Sympathiebeweis, sondern nur ein Spiel mit dem literarischen Motiv Biedermann und Brandstifter.

Auf Twitter geht die Debatte auch um die zwei Männer, deren einer bieder sein soll und der andere ein Wolf ohne Schafspelz, weswegen er ja im Gleichnis ausschaut wie Joseph Goebbels:

In der katholischen Wochenzeitung „Die Furche“ heißt er der „Eskalations-Dramaturg“ und darf von so einem ungleichen Dreiklang wie Ruth Wodak, Lothar Höbelt und Friedhelm Frischenschlager analysiert werden: also links, rechts und Liberales Forum. Und er ist Schuld, dass weniger geimpft wird, weiß Julia Ebner in ihrer neuen Falter-Kolumne: „Unsere Netzwerkanalysen beim Institut für Strategischen Dialog zeigen, dass Impfgegnerschaft vor allem von den sich überlappenden Netzwerken der Neuen Rechten, FPÖ und AfD Accounts, bekannten Verschwörungsmystikern und Systemkritikern propagiert wird.“ Sie sieht „Kickl und die Krokodile“ und meint: „So ist FPÖ-Klubobmann Herbert Kickl einer von den fünf Top-Accounts auf Facebook, die im deutschsprachigen Raum Desinformation und irreführende Posts zu Covid19-Impfstoffen teilen. An Impfgegnern wie Kickl verdienen soziale Netzwerke durch Werbeeinnahmen pro Jahr rund eine Milliarde US-Dollar laut Studie des Center for Countering Digital Hate.“ Wo hat Kickl die Milliarden her … 

Was „Buxen“ (unschön für Burschenschafter) angeblich denken, will eine Karikatur in der Kronen Zeitung zeigen – Kickl als Schmalspurparaphrase auf Prinz Eugen, den edlen Ritter:

Die Patina des Pathos trägt sogar Berhard Weidinger vor sich her, er analysiert im „Standard“ „Männer, ‚Mosaik-Rechte‘ und ihr Messias“. Weidinger selbst ist im Brotberuf Mitarbeiter des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes (DÖW) und nebenbei „Chad“ der Forschungsgruppe FIPU, die eine Modernisierung linksextremer Rechtsextremismustheorien erstrebt. Durchaus zu kritischer Analyse fähig, reitet beim Thema Kickl mit ihm auch die emotionale Ebene durch und er schwadroniert von „soldatischen Männern“, die ja vielleicht auch auf Politikwissenschaftler mit Sturmhauben eine latent erotische Anziehung haben. Aber es geht realiter nicht um den „faschistischen Stil“, der da permanent konnotiert wird, sondern um die Wahl eines Obmanns einer Parlamentspartei und darum, wie er die Welt sah. Und siehe da: Er hört nicht auf die Linksextremisten, die ihm erzählen wollen, dass er nicht mit anderen Patrioten dürfe. Das rechte Mosaik ist „gaga“, während das linke Puzzle perfekt zusammenspielt. Kickl, so Weidinger, stehe für das „ersehnte Ende der Kompromisse“, das er ersehnt, weil es sein Politikbild als „self-fulfilling prophecy“ erfüllt. Aber die FPÖ wird unter Kickl keine geifernde Weltanschauungspartei werden, sondern ist weiter jene Partei, die trotz Ibiza gut 20 Prozent hält, und auf allen parlamentarischen Ebenen – vom Gemeinde bis Parlament – die Politik des Landes demokratisch mitgestaltet. Und das übrigens seit 1956 in ganz Österreich. Was heißt da in dem Zusammenhang eigentlich „keine Kompromisse“?

Übrigens: Nur ein Freiheitlicher, der keiner (mehr) ist, ist ein guter Freiheitlicher. Die Wahrheit bewahrheitet sich in den Medien bei jedem Parteiaustritt bei. Kickl soll Parteiobmann werden, irgendwer tritt aus? Das ist eine Nachricht wert, sei sie noch so lokal – mit verschwommenen Gründen. Warum sie gehen? Keiner weiß es. Vielleicht wegen der kommenden Anschläge, von denen sich die FPÖ distanzieren kann, weil … Ach was , das ist jetzt zu viel „junge welt“.

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