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Rassismus-Vorwürfe: Realistisches Fahndungsbild auf DNS-Basis wirft Fragen auf

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Eine neue Technologie ermöglicht es der kanadischen Polizei, aus DNS-Spuren das Bild eines mutmaßlichen Sextäters zu konstruieren. Weil die Gene auf eine afrikanische Herkunft des Täters verweisen, regnet es Rassismusvorwürfe.

Edmonton. – Die Polizei der Millionenstadt in der Provinz Alberta veröffentlichte am Dienstag das Fahndungsbild eines mutmaßlichen Straftäters. Dieser soll 2019 einen „sexuell assault“ begangen haben. Für die Konstruktion seines Bildes wurden DNS-Spuren verwendet.

Das Fahndungsbild zeigt einen jungen afrikanischstämmigen Mann im Alter von etwa 25 Jahren. Daneben zeigt es auf einer Karte die geographische Herkunft seiner Gene: Seine Vorfahren stammen hauptsächlich aus Ostafrika, teilweise auch aus Süd- und Westafrika. Auf Farbskalen werden seine Haut-, Augen- und Haarfarben als dunkelbraun bis schwarz gezeigt.

Möglich macht dieses detaillierte Fahndungsbild, das nur aus DNS-Spuren des Täters gefertigt wurde, die neuere Gentechnik – in diesem Falle angewandt von der amerikanischen Firma Parabon NanoLabs, die auf Kriminal-Gen-Analysen spezialisiert ist. Gefundene NDS kann mit großen Datenbanken abgeglichen werden; darüber hinaus können nun auch realitätsnahe Bilder angefertigt werden. So lassen sich beispielsweise Fahndungsfotos von Sexualstraftätern anhand von Spermaspuren erstellen.

Kritik an der Vorgehensweise

Nachdem die Polizei das Fahndungsfoto auf Twitter veröffentlichte, hagelte es Vorwürfe des Rassismus. Nutzer mit linkem Hintergrund und Nähe zur „Black Lives Matter“-Bewegung warfen der Polizei sogenanntes „racial profiling“ vor. Herkunft und Aussehen des Täters mit DNS-Ergebnissen zu ermitteln und zu veröffentlichen sei, so schreiben einige, ein pseudowissenschaftlicher Vorwand für rassistische Stereotype.

Auch die angewandte Technik ist nicht völlig neu: Bereits im Mordfall an Maria Ladenburger waren 2016 DNS-Spuren des Täters gefunden wurden. Auch damals hätte man schon schnell Fakten über den Täter herausfinden können, doch die deutsche Strafprozessordnung verbietet, Informationen zu Haar- und Augenfarbe oder Ethnie aus DNS-Funden zu ermitteln.

Anstatt diese Tätermerkmale herauszufinden und gezielt nach dem afghanischen Tatverdächtigen zu suchen, wurde jener im Dezember 2016 nach sechswöchiger Fahndung eher zufällig von einer Streife aufgegriffen. Seine DNS war mit den Spuren an Ladenburgers Körper identisch.

Der Vorwurf des Rassismus, der die Fahndung mit DNS-Analysen häufig blockiert, bezieht sich regelmäßig auf sogenannte Schädelvermessung und ähnliche Methoden aus dem späten 19. Jahrhundert. Moderne Genforschung hat damit nichts gemein, sondern basiert auf der biochemischen Analyse von Nukleotiden und riesigen Datenmengen. Wenn sie sauber durchgeführt wird, sind ihre Ergebnisse extrem genau und völlig vorurteilsfrei.

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