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Österreich

Heinrich Staudinger – Ein „Schuh-Rebell“ für die Hofburg?

Julian Schernthaner

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Sieben Kandidaten treten am 9. Oktober zur Bundespräsidentenwahl in Österreich an. Einer von ihnen ist Heinrich Staudinger – der sich in den vergangenen Jahren als „Schuhrebell“ einen Namen machte. Er ist ein wenig der „bunte Vogel“ auf dem Stimmzettel – und das durchaus auf eine erfrischende Art und Weise.

Staudinger wurde 1953 in Vöcklabruck geboren und wuchs im nahegelegenen Schwanenstadt (beides Oberösterreich) auf. Nach dem Gymnasium zog es ihn nach Wien, wo er einige Studienrichtungen ausprobierte – doch er war zu sehr Weltenbummler und bereiste lieber die Welt. Seine Berufung fand er allerdings erst, also er 1980 ein Schuhgeschäft gründete, in dem er die dänische Marke „Earth Shoe“ vertrieb. Später wurden daraus die GEA-Läden. Er ließ im niederösterreichischen Schrems die „Waldviertler“-Schuhe produzieren. Mittlerweile sind es über 50 Geschäfte – und das Repertoire beinhaltet neben Schuhen auch Möbel, Naturmatratzen, Taschen und Accessoires.

Schuhfirma als „Bank“: Kampf gegen das System

Wie wird also der Chef einer Firma für Gesundheitsschuhe zur öffentlichen Person? Die Wurzeln reichen ins Jahr 2012 zurück. Damals bekam Staudinger keinen Kredit seiner Bank und rief eine Crowdfunding-Initiative ins Leben. Daraufhin deckte ihn die Finanzmarktaufsicht (FMA) mit Repression ein: Er betreibe auf diese Weise das Geschäft einer Bank, so die Argumentation. Zwar wurde die FMA in ihrer Rechtsmeinung bestätigt: Plötzlich war Staudingers „Sparverein“ illegal.

Aber der Fall schlug hohe Wellen. Denn Staudinger weigerte sich, seine Strafe zu zahlen, durchlief alle Instanzen und stellte klar: Lieber gehe er im Zweifelsfall ins Gefängnis. Die gesamte Politik befand, dass hier eine absurde Gesetzeslücke klaffte. Im Jahr 2015 wurde eine Gesetzesnovelle beschlossen, welche derartige Crowdfunding-Modelle legalisierte. Spätestens seit dieser Aktion gilt Staudinger als Inbegriff des unbeugsamen „kleinen Mannes“, der sich mit den Mächtigen anlegt.

Altlinker Rebell – aber kritisch

Staudinger wurde zu einer Galionsfigur im alternativen Lager – und als solche war er 2016 Mitglied des persönlichen Personenkomitees von Amtsinhaber Alexander Van der Bellen. Nun tritt er gegen ihn an. Dazwischen liegt Corona: Staudinger zeigte wieder, dass ihm Ideale wichtiger sind als Schulterklopfer. Er positionierte sich als einiger von wenigen „Linken“ gegen die Impfpflicht – und demonstrierte auch dagegen. Mit der Regierung rechnet er ab: „Ich hab das richtig kränkend und eine Beleidigung gefunden, dass Impfkritiker als Rechtsradikale oder Verschwörungstheoretiker abgestempelt werden.“

Im Zuge dessen kritisierte er auch die „absurden“ Gewinne der Pharmakonzerne. Doch es ist nicht die einzige systemkritische Position. Anders als die beiden anderen „linken“ Kandidaten ist er gegen die Sanktionen, für die Neutralität, kritisiert NATO-Kriegsverbrechen und den riesigen PR-Apparat von Pentagon & CIA. Die Meinungsfreiheit ist ihm ein hohes Gut – und ein Rebell bleibe er auch als Staatsoberhaupt: „Die Geschichte hat sich selten durch die Leute bewegt, die sich streng an die Regeln halten“. Wo Recht zu Unrecht wird, werde Widerstand zur Pflicht.

Seine 9.085 Unterstützungserklärungen sammelte er dezentral in den GEA-Geschäften. In Umfragen liegt er derzeit bei maximal 2-3 Prozent.


Neben Heinrich Staudinger und dem amtierenden Präsidenten Alexander Van der Bellen treten noch folgende Kandidaten zur Wahl an (Liste wird laufend ergänzt):

Michael Brunner – Coronakritiker, der das System ändern will

Dominik Wlazny alias Marco Pogo – Ein Punk-Rocker in der Hofburg?

Gerald Grosz – Mit Trump-Slogan für die Hofburg und gegen die Regierung

Walter Rosenkranz – Ein Volksanwalt als Volkspräsident?

Tassilo Wallentin – Der Ex-„Krone“-Kolumnist will sich nicht verstecken

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