Connect with us

Gesellschaft

Staatsfunk in Saus & Braus: Einmal nur mit Schlesinger…

Julian Schernthaner

Published

on

…so richtig auf Kosten der Normalsterblichen einen drauf machen. Der polit-mediale Komplex wird gerade erschüttert. Und zwar, weil plötzlich an die Öffentlichkeit gerät, dass die dortigen Entscheidungsträger offenbar genau jene Bonzen sind, für die sie das Volk schon immer hielt. Der Fall Schlesinger und seine Nachwirkungen zeichnen das Bild einer abgehobenen Elite, die völlig ungeniert auf Kosten der Bürger in die eigenen Taschen wirtschaftet und sich im Kaviar- und Champagnergelage auch noch für den Sparfuchs hält. Wenn schon öffentlich-rechtlicher Salonbolschewismus, dann eben richtig.

Ich hatte einen burlesken Traum, in dem ich dieser Welt entfloh und in jene der Obrigkeit eintauchte. Ich saß in der um läppische 650.000 Euro frisch umgebauten Chef-Etage im RBB-Büro. Daneben feierten die bisherige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger und die Berliner Polizeichefin Barbara Slowik, die zu dieser Runde wiederum gekommen sein will wie die Jungfrau zum Kinde. Am Tisch stand ein festliches Mahl für neun Personen, um über 1.000 Euro. Es floss edler Wein, ständig brachte das niedere Fußvolk zartes Brot mit Kaviar herein. Volltrunken nuschelte mir die kürzlich noch als ARD-Vorsitzende präsidierende Dame vor dem Genuss des magenbitteren Absackers ins Ohr: „Wenn die Volontäre wüssten, dass ich mir vom Zwangsgebührengeld 16 Prozent Gehaltsplus gegönnt habe! Ich hab denen nämlich gesagt, was ich der Presse auftischte: Sparen ist unser Alltag!“

Die geldige Freiheit, nicht zu frieren

Dann wache ich schweißgebadet auf – und danke allen Göttern dieser Welt, dass ich nicht wahrhaft in dieser Runde sitze, sondern einfach nur die Nachrichten des Tages mit korrekten Zahlen und einem klein bisschen Fantasie vermengt hatte. Die Arbeit wieder einmal „mit nach Hause genommen“ – soll passieren. Statt ins auf Kosten der Gebührenzahler feiernde Gesicht der Intendantin schaue ich gottlob ins bezaubernde Antlitz meiner Herzallerliebsten. Die zwar ebensowenig wie ich 303.000 Euro im Jahr an Steuergeld nach Hause bringt, mich aber bereits als zerstreuter, ärmlicher Student mochte. Mangels betuchten Elternhauses lernte ich damals auch in den Schuhen des Arbeiters zu gehen.

Für einen kleinen Groschen schlug ich mir Nachtdienste um die Ohren, um trotzdem am 25. des Monats nur mehr Kartoffeln und Nudeln zu haben. Die Erfahrung hilft heute bei der Einordnung ungemein, wenn der polit-mediale Komplex mit Inflationszahlen umher wirft, über Gasumlagen spricht oder die Effektivität von Einmal-Almosen für das leidgeplagte Volk lobhudelt. Den Leuten steht das Wasser in Wahrheit bis zum Hals. Sie können bestenfalls noch nachrechnen, in welchem Wintermonat der Bankrott fürs solidarische Frieren für das transatlantische Zerrbild von „Freiheit“, wie es die Mattscheibe predigt, zuschlägt.

Werden auch sie ihren Enkeln vom überlebten Steckrübenwinter erzählen können? Fast schon ironisch mutet es hier an, dass Schlesinger selbst Enkelin eines DDR-Blockparteien-Politikers ist. Selbst, wenn sie aus der Weisheit früherer Generationen schöpfen will, stößt sie also bestenfalls auf eine Situation, in der sich die Nomenklatura etwas mehr vom Kuchen gönnt als die hungrigen Mäuler da draußen je den leeren Supermarktregalen entnehmen können. Manche sind eben bekanntlich immer gleicher.

Kleine Freuden ums große Gebührengeld

Ich strecke mich und torkle schlaftrunken durch unsere Mietswohnung in der Provinz, doch die Szene will mir nicht aus dem Kopf gehen. Schlesinger, Schlesinger, da war doch was. Ach ja! Ein Jahr ist es her, da warb die Dame für eine Anhebung der zwangsweise eingehobenen Rundfunkgebühr. Offiziell begründete sie das natürlich mit den finanziellen Bedarf: „Es gibt keinen Sender, der nicht massiv auf seine Ausgaben schaut. Sie dürfen nicht vergessen, dass die 86 Cent Beitragserhöhung weit unter dem Bedarf liegen, den ARD und ZDF angemeldet hatten.“ Worte, die heute wie Hohn klingen. Ihr üppiges Jahresgehalt ließ sich Schlesinger mutmaßlich mit üppigen Boni von „mehr als 20.000 Euro“ auffetten.

Wieso sollte man sich auch mit dem zufrieden geben, für das die Seher im Regelfall eine Dekade lang schuften? Und was wäre das Leben ohne die kleinen Freuden! Kann doch die Staatsfunk-Ursel nichts dafür, wenn die Tischwäsche beim Dinner des kurzen Dienstweges so viel kostet wie bei Normalsterblichen das ganze Jahrestagsmenü! Wie bei allen Tanzeinlagen wollen schließlich auch beim „Tango Korrupti“ die Schritte bestens eingeübt sein, ehe man mit jenen Münzen und Scheinen umherwirft, die das einfache Volk teils nicht hat, teils dreifach umdrehen muss.

Leben auf großen Staatsfunk-Fuße

Bei all dieser augenscheinlichen Dekadenz wirkt ihr 145.000 Euro teurer Audi A8 mit Massagesitzen fast wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Nur Tage nach dem Schlesinger-Rückzug – sie war zuletzt auch ARD-Vorsitzende – wirft auch der RBB-Verwaltungsratsvorsitzende Wolf-Dieter Wolf das Handtuch. Zuvor waren weitere astronomisch hohe Ausgaben für RBB-Führungskräfte und deren Arbeitsumfeld bekannt geworden. Doch zugleich sollte man sich erinnern: Das sind nicht die Architekten eines einmaligen Skandals. Denn fürstliche Chef-Gagen sind beim Staatsfunk gang und gäbe.

Schon seit Jahren sorgt etwa das Gehalt von WDR-Intendant Tom Buhrow (im Vorjahr 413.000 Euro) für Aufregung. Geschehen ist freilich nichts. Der Chef des inhaltlich kurioserweise besonders linkslastigen ARD-Teilrundfunks verdient weiterhin mehr als jeder Spitzenpolitiker – und die nagen bekanntlich auch nicht gerade am Hungertuch. Außer vielleicht sie stammen von der SPD, die bei der Bundestagswahl für „soziale Gerechtigkeit“ warb. Dann muss man schon mal 200.000 Euro heimlich ins Schließfach geben, die natürlich rein gar nichts mit dem größten Steuerbetrugsskandal der letzten Jahre zu tun haben…

Boni, Boni, Boni – und Sie zahlen für den Spaß!

Womöglich denken Sie, werter Leser, ich wäre es diesen Herrschaften neidig. Gewiss nicht, und ich hätte mir wahrscheinlich bei solchen Gehältern auch eher einen Vierseithof zugelegt als Spezialumbauten für den Dienstwagen. Aber mir wäre es schlichtweg zuwider, dermaßen viel Geld für faktisches Sesselfurzen einzustreifen. Geld, das aus der funktionalen ÖRR-Steuer namens „Haushaltsabgabe“ kommt. Das mit Schweiß, Blut und Tränen erarbeitete Geld von Zigmillionen Bundesbürgern ist schnell ausgegeben, gerade zum Vergnügen der eigenen Rundfunkbonzen. Immer wieder fallen mir die Worte ein: „Es sind doch nur 86 Cent.“ Danke, mittlerweile weiß jeder Deppen, wo sie millionenfach hinflossen.

Inzwischen stehe ich mit der Zahnbürste im Gefriß vor dem Spiegel. Hübscher bin ich über Nacht also nicht geworden, aber wohl nachdenklicher. Dabei bin ich von solchen Eskapaden üblicherweise „mäßig geschockt“. Als Österreicher kennt man den Kreislauf: Unsere Rundfunk-Granden cashen ebenfalls fürstlich ab und genießen das Leben in vollen Zügen, landen dann mitunter ein wenig mangelnüchtern am Steuer. Dafür lassen sie gleichzeitig ein Programm auffahren, das zum Großteil aus US-Serien in Dauerschleife besteht. Zum Drüberstreuen gibt’s linke Umerziehung, ehe die Gebühren wieder um acht Prozent erhöht werden oder Zwangsgebühren fürs Online-Portal (erfolgreich) eingeklagt werden.

Rundfunkanstalten zwischen Pest und Cholera

Pest und Cholera: Der „kleine“ Bruder hat den für Endverbraucher teuersten Staatsfunk in ganz Europa, der „große“ Bruder den insgesamt aufgeblähtesten Staatsfunk-Apparat, der längst jeden Anschein von Neutralität über Bord geworfen hat. Die einzige Oppositionspartei, die diese Bezeichnung im Ansatz verdient, wurde dort seit der Bundestagswahl in über zehn Monaten null (!) mal in eine ÖRR-Talkshow geladen. Muss man sie dann doch einmal befragen, gleicht es mehr einem Polizeiverhör als journalistischer Arbeit. Den Bürgern stinkt die Bevormundung, die Einseitigkeit und die Heuchelei.

Einer aktuellen Umfrage zufolge wollen 84 Prozent die unselige Zwangsgebühr abschaffen. In der Erzählung der Staats- und Haltungsmedien sind das wohl demnächst alles „Rechtsextreme“, die sich im Winter unter die Masse der ebenfalls „Rechtsextremen“ mischen, die dagegen protestieren, sich das Leben nicht mehr leisten zu können. Ob es mit der Abschaffung getan ist, bezweifle ich allerdings. Denn gerade in Deutschland sind auch auch die privaten Sender inhaltlich Teil desselben Einheitsbreis. Der Markt regelt dann im Zweifelsfall von Not zu Elend.

Mittlerweile ist es Zeit, das Haus zu verlassen. Ich blicke noch ein letztes Mal auf das Receiver-Kabel, das eine unserer Katzen gestern zerbiss. Ob ich mir ein neues kaufen soll, muss ich mir noch gründlich überlegen. Denn so wirklich verpasst habe ich durch das abendliche „TV-Fasten“ eigentlich nichts. Bevor die Tür ins Schloss fällt, erinnere ich mich dann, dass der Staatsfunk uns das Geld monatlich aus der Tasche zieht, selbst wenn wir ihn boykottieren. Schon irgendwie ein geniales Geschäftsmodell…


Weiterlesen:

Medienjuristen kritisieren: ÖRR nur ein „Akklamationsforum für die Politik“ (10.08.2022)

Korruptionsvorwürfe: RBB-Intendantin Schlesinger zurückgetreten (08.08.2022)

Click to comment

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Beliebt