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Beihilfe zum Missbrauch: 20 Jahre Haft für Epstein-Vertraute Maxwell

Julian Schernthaner

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Mit Spannung wurde das Urteil gegen Ghislaine Maxwell, die ehemalige Partnerin des im Jahr 2019 unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommenen US-Multimillionärs Jeffrey Epstein erwartet. Der Fall bot aufgrund seines Ausstrahlens in die „feine Gesellschaft“ genügend Zündstoff.

New York. – „Abscheulich“ und „entsetzlich“: Das waren die Worte, mit denen Richterin Alison Nathan am Dienstag die Taten von Epstein beschrieb. Die 60-jährige Maxwell soll ihn jahrelang dabei unterstützt haben, einen Kindesmissbrauchsring unterhalten zu haben. Dieser ließ Minderjährige, typischerweise im jugendlichen Alter, auf seine 30-Hektar-Insel „Little Saint James“ (Amerikanische Jungferninseln) verfrachten, wo reiche und gesellschaftlich bedeutsame Personen mit ihnen Sex haben sollten. Die Rolle Maxwells war es offenbar, sich davor das Vertrauen der Mädchen zu erschleichen. Ihre Verteidigung hatte zuletzt eine Haftstrafe von unter 10 Jahren gefordert. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, es gilt somit weiter die Unschuldsvermutung.

Wirbel um Bekanntschaft mit Gates und Prinz Andrew

Aufgrund dieser Praxis wurde Epsteins Privatflugzeug, das lüsterne Herrschaften sowie junge Damen, die ihnen zu sexuellen Diensten sein sollten, auf die Insel brachte, medial als „Lolita Express“ bekannt. Und die Liste der Persönlichkeiten, die sich auf die Insel begaben, ist lang – und aufsehenerregend. So soll Epstein etwa eine 17-Jährige dazu gezwungen haben, mit dem britischen Prinzen Andrew geschlechtlich zu verkehren, es gilt auch hier die Unschuldsvermutung. Dieser stritt jede Beteiligung ab, verstrickte sich in Widersprüche, legte dann alle öffentlichen Ämter zurück und einigte sich mit dem mutmaßlichen Opfer zuletzt auf eine hohe Vergleichssumme.

Auch der in diesen Tagen häufig als „Philanthrop“ herumgereichte IT-Guru Bill Gates soll enge Kontakte zu Epstein abgehalten haben. Zwar bezeichnete der Microsoft-Gründer die Treffen mit diesem mittlerweile als „großen Fehler“. Allerdings lernten sich Gates und Epstein erst 2011 kennen – drei Jahre, nachdem Epstein bereits eine Verurteilung wegen sexuellen Kontakten mit einer Minderjährigen ausgefasst hatte. Gates, der wichtiger WHO-Financier ist und eine mächtige Privatstiftung unterhält, erhoffte sich dadurch weitere Kontakte liquider Geldgeber, die bereit waren, für die „globale Gesundheit“ zu spenden. Die Bekanntschaft zu Epstein gilt als Scheidungsgrund zwischen Bill & Melinda Gates.

Eng mit Clinton, Hausverbot bei Trump

Für besonderes Aufsehen sorgte auch der Umstand, dass Ex-US-Präsident Bill Clinton insgesamt 26-mal mit der Boeing 727 Epsteins flog. Von dessen mutmaßlichen sexuellen Missetaten will Clinton nichts gewusst haben. Mindestens vier Mal war Epstein, selbst Chef einer angeblich steuerbegünstigten Stiftung unter dem Deckmantel der „Wohltätigkeit“, zu dessen Zeit sogar Gast im Weißen Haus. Auch dessen Nachnachfolger Donald Trump kannte Epstein, erteilte diesem aber bereits 2007 Hausverbot in seinem Anwesen in Florida, weil Epstein sich jungen Mädchen auf unangemessene Weise näherte.

Mysteriöse Todesumstände

Alleine die Vorstellung, in einem solch zwielichtigen Umfeld auf wichtige „Stakeholder“ zu treffen, zeigt, in welch hohe Kreise der mutmaßliche Missbrauchsring gereicht haben dürfte. Das Interesse zur Vertuschung der brisanten Details dürfte somit vielfach bestanden haben. Als Epstein wegen Vergewaltigungsvorwürfen erneut in Gewahrsam genommen wurde, mehrten sich die Indizien, er könnte auspacken. Doch dazu kam es nicht mehr. Am Morgen des 10. August 2019 wurde er tot in seiner Zelle gefunden. Als offizielle Todesursache wurde Suizid angegeben. Einige Ungereimtheiten ließen Kritiker allerdings hellhörig werden.

Normalerweise überprüften die Gefängniswärter vorschriftsgemäß alle 30 Minuten seine Zelle – dies unterblieb in der Todesnacht. Sein Zellengenosse war erst am Vortag verlegt worden. Zwei Kameras vor seiner Zelle funktionierten ausgerechnet zu seinem Todeszeitpunkt nicht. Etwas mehr als eine Woche zuvor hatte man die „Suicide Watch“ bei seiner Person abgebrochen. Auch die angebliche Selbsttötungsmethode per Erhängen gilt nach Ansicht vieler Kritiker als schwierig durchzuführen. Die New York Times wiederum wertete diverse Dokumente aus und schloss, Epstein habe lediglich die Wärter geschickt manipuliert, damit diese glaubten, er sei nicht suizidgefährdet. Dies habe die zahlreichen Überwachungspannen begünstigt.

In der Folge entstanden zahlreiche – teilweise glaubwürdige, teilweise abenteuerliche – Theorien, wie Epstein nicht durch seine eigene Hand zu Tode gekommen sein könnte. Die Phrase „Epstein didn’t kill himself“ (Epstein brachte sich nicht selbst um) wurde zum geflügelten Wort. Am Ende bekam das Phänomen eine Eigendynamik – und der Satz tauchte auch außerhalb seines eigentlichen Kontextes auf. Teils, um darauf hinzuweisen, dass die öffentliche Darstellung nicht immer mit der Wahrheit übereinstimmen muss; teils ohne besonders Absicht einer Botschaft.

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