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Interview

Bildungsweltmeister im Abstiegskampf

Redaktion

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AfD-Bildungspolitiker Hans-Peter Hörner spricht im TAGESSTIMME-Interview über die deutsche Bildungslandschaft, ihre Probleme und mögliche Lösungen aus freiheitlich-patriotischer Sicht.

TAGESSTIMME: Herr Hörner, wichtige Dinge scheinen sich weltweit zu überschlagen. Warum soll Bildungspolitik trotzdem ein vorrangiges Thema sein?

Hans-Peter Hörner: Wer die Zeitung aufschlägt, denkt möglicherweise in der Tat, dass Bildungspolitik und damit zusammenhängende Themen eher zweitrangig sind. Das Bemühen der Politik um die berufliche, die schulische und akademische Ausbildung, um die Erziehung unserer Kinder und damit deren Zukunft und die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands, sollte aber von seinem Stellenwert her nicht unterschätzt werden. Immerhin haben deutsche Wissensleistungen und auch deutsche Erziehungskonzepte sehr lange Zeit einen exzellenten Ruf genossen. Und das weltweit. Heute kommt es einem so vor, als ob sich alles um eine hedonistisch, superindividualistisch geprägte Freizeitkultur und um finanzwirtschaftliche, machtpolitische Agenden drehen würde. Dabei hat schon der bekannte ungarische Börsenmakler Andre Kostolany sinngemäß festgestellt, dass die vornehmste Investition, die man tätigen könnte, diejenige in die Bildung der Kinder sei. Der Finanzmann wusste, dass viele Missstände der Welt auf mangelnder Bildung und gepflegter Dummheit beruhen.

Was läuft falsch in puncto Schule, Bildung, Erziehung?

Hörner: Die deutsche Ausbildungslandschaft ist in Erosion begriffen. Sie leidet unter dem zerstörerischen Einfluss links-grüner Gleichmacher und Experimentalpädagogen. Wir haben ein grundsätzlich bildungselitenfeindliches öffentliches Klima, wir haben kein Geld für die ganz normale Schulinfrastruktur und unsere Gesellschaft ist seit längerem auch massiven Einflüssen ausgesetzt, die erst einmal verkraftet werden müssen. Ausbildungsbetriebe und Hochschulen beklagen mangelnde Grundvoraussetzungen, die Kammern und der DIHT sehen reichlich Reparaturaufgaben zu Beginn der Ausbildung.

Was heißt das genau?

Hörner: Nun ja, in gebotener Kürze: Wir haben in den Schulen zum Beispiel mit Phänomenen wie der „Noteninflation“ zu kämpfen. Schulische Leistungen werden immer besser beurteilt, um angeblich die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen. Die Noten steigen, die Lehrinhalte bleiben auf gleichem oder gar abgesenktem Level. Der Deutsche Philologenverband bringt es 2021 auf seiner Homepage anlässlich der Pandemie-Farce auf den Punkt und meint, dass wir einen „Bildungsnotstand“ haben. Das Bildungshaus Deutschlands sei leider nicht auf Felsen, sondern auf Sand gebaut, weil es keine verlässliche Bildungsplanung und auskömmliche Bildungsfinanzierung gäbe.

Dabei müssen wir uns vor Augen halten, dass Bildung der einzige Rohstoff Deutschlands ist, wie der Volksmund sagt. Doch unsere Schulen als Wertschöpfungsanstalten, wenn man im Rohstoffbild bleiben will, – ganz konkret: die Gebäude – sind in denkbar schlechtem, marodem Zustand. 2016 hatte die Kreditanstalt für Wiederaufbau für die schulischen Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet einen Sanierungsbedarf in Höhe von 34 Milliarden Euro mitgeteilt. Passiert ist seither wenig. Mario Schramm, Generalsekretär der deutschen Bundesschülerkonferenz, beklagte 2021 im ZDF, dass viele Schulen in der Bundesrepublik wegen ihres Zustands kein Ort sind, um gut zu lernen. Das heißt, es hapert schon an den Grundvoraussetzungen. Dazu kommen die gesellschaftlichen Verwerfungen durch die Migration und die gescheiterten multikulturellen Integrationsvorhaben, Irrsinnigkeiten wie überflüssige Rechtschreibreformen und das hochgradig blödsinnige Gender-Sprech sowie überbordende Inklusionsansätze, die den Lehrer- und Schüleralltag häufig genug wenig förderlich gestalten.

Welche Lösungen kann eine freiheitlich-patriotische Politik bieten?

Hörner: Sicher sind die vorrangigsten Fehlentwicklungen zu bekämpfen. Zwar ist in Deutschland Bildung Ländersache, und muss das auch so bleiben, doch es ist bundesweit ein Aufweckprozess zu initiieren. Alle mit Bildungspolitik befassten Entscheidungsträger haben zu verinnerlichen, dass mit der Reform der Pädagogik um der Reform willen Schluss zu machen ist. Denn der Lehrbetrieb benötigt konzeptionelle Kontinuität und kann dabei auf bewährte Wege in der Vergangenheit zurückblicken, um diese mit den Ansprüchen der Gegenwart zu verknüpfen. Die entsprechenden Finanzen müssen jetzt bereitgestellt werden.

Im schulischen Alltag ist der deutschen und abendländischen Leitkultur Vorrang einzuräumen. Multikulturelle Experimente dürfen nicht auf dem Rücken der sogenannten „Bio-Deutschen“ ausgetragen werden. Deutsch ist und bleibt Unterrichtssprache und das verpflichtende Verständigungsmittel auf allen Schulgeländen. Die Bildungsinhalte sind von Gender-Mist und anderen ideologisierten Inhalten zu entrümpeln, das dreisäulige Schulsystem ist beizubehalten und die zugelassenen Privatschulen sind unter diesen genannten Aspekten zu fördern. Die Schulabschlüsse sollen als qualitative Hürden die Chancen für die Fleißigen und Wissbegierigen, die Neugierigen und Lernenden auf dem Arbeits- und Weiterbildungsmarkt erhöhen. Berufliche Ausbildungen wie die Lehre müssen ihren ehemaligen Spitzenruf, ihre traditionelle Reputation wieder erhalten. Handwerk hat immer noch einen goldenen Boden und von reiner Ingenieursleistung oder einer geisteswissenschaftlichen Denkinnovation ist noch keine Küche aufgebaut, keine Stromleitung verlegt und kein Haar geschnitten worden.


Zur Person:

Hans-Peter Hörner (AfD), Jahrgang 1951, studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre sowie Biologie. Nach seinem Studium war er über vier Jahrzehnte als Berufsschullehrer tätig. Seit 2021 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg. Themenschwerpunkt: Bildungspolitik und Petitionen.

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