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Interview

Jean-Pascal Hohm (AfD): „Unser Land braucht einen Kurswechsel“

Redaktion

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Cottbus gilt als einer der Hauptstädte des patriotischen Widerstandes und die Jugend ist bekanntlich die Zukunft. Beides Gründe genug, eines der jungen Gesichter des Widerstandes aus der Spreestadt zum Gespräch zu bitten. Der Cottbuser AfD-Vorsitzende Jean-Pascal Hohm spricht im TAGESSTIMME-Interview über seine Heimat Brandenburg, die Bedeutung von jungen Politikern und die Zusammenarbeit von Partei und Vorfeld.

TAGESSTIMME: Sie waren zunächst Landesvorsitzender der Jungen Alternative in Brandenburg und seit vergangenem Jahr Vorsitzender der AfD in Cottbus. Sie sind damit seit mehreren Jahren in Brandenburg politisch aktiv, wie ist die Situation in Ihrem Bundesland?

Jean-Pascal Hohm: Brandenburg ist meine Heimat. Hier bin ich geboren, aufgewachsen, hier möchte ich eine Familie gründen und hier werde ich auch irgendwann meinen Lebensabend verbringen. Getreu der Liedzeile unserer märkischen Landeshymne „Der Heimat die Treue in alle Zeiten fort“.

Wir Brandenburger sind bodenständig und frei. Wir lieben unsere Heimat, pflegen eine lockere Mundart und sind stolz darauf, was unsere Ahnen auf märkischem Sand erschaffen haben.

„Unser Land braucht mehr denn je einen politischen Kurswechsel. Ich versuche meine Fähigkeiten, meinen Idealismus und meine Kraft entsprechend einzubringen.“

Leider vernachlässigen die Regierenden weite Teile unseres Bundeslandes seit Jahrzehnten. Während der „Berliner Speckgürtel“ zu den Wachstumsregionen Deutschlands gehört, hat gerade der ländliche Raum mit Wegzug und Überalterung zu kämpfen. Es fehlen Angebote des ÖPNV, gut bezahlte Arbeitsplätze findet man nur selten und das kulturelle Leben wird vielerorts nur noch von ehrenamtlich engagierten Bürgern aufrechterhalten.

Diese zwei Extreme spiegeln sich auch in den Wahlergebnissen wider: Während die AfD bei der letzten Landtagswahl im Berliner Umland „nur“ 19,4% der Stimmen erhielt, erreichte man in stark schrumpfenden Wahlkreisen 29,1%.

Mit 25 Jahren sind Sie noch sehr jung und trotzdem schon Kreisvorsitzender für die AfD. Wie ist Ihre Erfahrung als junger Aktivist in der Politik?

Die Parteipolitik ist ein schmutziges Geschäft. Da gibt es nichts schönzureden. Gerade wenn es um Mandate oder vermeintliche Machtpositionen geht, beginnen die Hinterzimmer-Klüngeleien und man hat das Gefühl, manch ein Funktionär ist mehr damit beschäftigt, Mehrheiten für irgendwelche Versammlungen zu organisieren als die politische Situation im Land zum Positiven zu verändern.

Trotz alledem braucht es im Kampf um die Zukunft unseres Volkes auch eine starke Partei, die in letzter Konsequenz anstrebt, auf allen Ebenen die politische Machtfrage zu stellen.

Unser Land braucht mehr denn je einen politischen Kurswechsel. Ich versuche meine Fähigkeiten, meinen Idealismus und meine Kraft entsprechend einzubringen. Innerhalb der AfD, aber natürlich auch auf der Straße.

Worin unterscheidet sich Ihrer Einschätzung nach die Politik junger Menschen von der bereits älterer Semester?

Mir liegt es fern, Menschen mit Lebenserfahrung für ihr Agieren zu verurteilen, aber häufig hat man das Gefühl, dass die altbekannte Phrase „Das haben wir schon immer so gemacht“ das Leitmotiv einiger Leute ist.

Als junger Mensch ist man in meinen Augen eher dazu bereit, alte Muster zu überdenken und auch neue Wege zu gehen. Wir sprechen auch mal Themen an, die man nicht klassisch mit der AfD verknüpft und können häufiger über unseren eigenen Schatten springen, wenn es darum geht – im Sinne der gemeinsamen Sache – voranzukommen.

Um auf Ihre Heimatstadt Cottbus sprechen zu kommen: Was sehen sie für Probleme in Cottbus und welche Potentiale hat die Stadt?

Die Probleme unserer Stadt und der ganzen Lausitz-Region sind vielfältig. Der Braunkohle-Ausstieg zerstört zehntausende Arbeitsplätze. Deren Kompensation steht noch in den Sternen. Eine schlecht ausgebaute Infrastruktur macht zudem die Ansiedlung großer Unternehmen schwierig. Aufgrund unserer Grenzlage zu Polen haben wir zudem große Herausforderungen mit Lohndumping durch osteuropäische Billiglohnkräfte und wahrnehmbarer Grenzkriminalität. Außerdem haben wir auch in Cottbus zunehmend mit den Folgen außereuropäischer Massenzuwanderung zu kämpfen. Das Sicherheitsgefühl und das Bild auf den Straßen unserer Stadt hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Ein wesentlicher Grund für den Erfolg der AfD. In der Niederlausitz haben 30,2 Prozent der Menschen bei der letzten Landtagswahl unserer Partei ihre Stimme gegeben.

Cottbus gilt neben Dresden als eine Hochburg des patriotischen Widerstandes. Vor allem funktioniert hier das, was in vielen anderen Regionen vermisst wird, nämlich die Zusammenarbeit verschiedener patriotischer Akteure. Die Initiative „Zukunft Heimat“ trägt den Protest regelmäßig auf die Straße, mit der „Mühle“ bestand lange ein öffentlicher Anlaufpunkt und die AfD distanzierte sich nicht, sondern war teils in Personalunion in diese und weitere patriotische Projekte einbezogen. Was kann das rechte Lager also von Cottbus lernen?

Für mich war Cottbus immer ein Leuchtturm der Normalität und des Zusammenhalts. Bei uns muss man nicht über die politische Korrektheit eines jeden Wortes nachdenken, bevor man es ausspricht. Bei uns zählt auch nicht, wie viel Geld du hast oder wie du politisch denkst. Wir sind eine Stadtgesellschaft, die in ihrer großen Mehrheit zusammensteht und sich nicht auseinanderdividieren lässt. Darum lebe ich sehr gerne hier.

„Als Volkspartei und Volksbewegung muss es unser Ziel sein, alle Menschen und Schichten unseres Volkes bestmöglich zu vertreten.“

Politisch können andere Städte von Cottbus lernen, wie wichtig es ist, den Protest gegen die Regierungspolitik auf allen Ebenen zu artikulieren. Sachlich, aber mit Nachdruck. Das machen unsere direktgewählten Abgeordneten Marianne Spring-Räumschüssel und Lars Schieske im Landtag, unsere Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung und gemeinsam mit dem patriotischen Vorfeld bringen wir den Protest auch auf die Straße.

Wir vernetzen uns in allen Milieus und Schichten. Wir kümmern uns um die Sozialschwachen, aber vernetzen uns auch mit Unternehmern in unserer Stadt. Als Volkspartei und Volksbewegung muss es unser Ziel sein, alle Menschen und Schichten unseres Volkes bestmöglich zu vertreten. Wir wollen keine Klientelpartei á la FDP oder Die Linke sein, sondern das Beste für alle Deutschen herausholen.

Vor Kurzem setzte der AfD-Bundesvorstand die „Freien Sachsen“ auf ihre Unvereinbarkeitsliste, was für einige Diskussionen und kritische Stimmen innerhalb der AfD sorgte. Wie bewerten Sie solche Distanzierungen?

Ich persönlich verstehe nicht, warum sich der Bundesvorstand überhaupt mit dieser Causa beschäftigt hat.

Unsere Aufgabe als einzige parlamentarische Gegenstimme zur Corona-Regierungspolitik ist es, mit allen parlamentarischen Mitteln die vielen Wiedersprüche aufzudecken, die Maßnahmen zu kritisieren und öffentlich darzustellen, wie die Altparteien unsere Gesellschaft seit nunmehr zwei Jahren spalten. Außerdem müssen wir jenen Menschen den Rücken zu stärken, die mutig und entschlossen auf die Straße gehen.

„Der Bundesvorstand hätte sich gar nicht zu den Freien Sachsen positionieren sollen.“

Unsere Aufgabe ist es nicht, uns zu jeder politischen Partei oder Gruppierung in Deutschland zu positionieren. Der Bundesvorstand diskutiert sicher auch nicht täglich über unsere Stellung zur Tierschutzpartei oder zum Deutschen Gewerkschaftsbund. Warum tut man es also bei den Freien Sachsen?

Dass die AfD sich in dieser Frage auseinandertreiben lässt, ist einzig und allein im Interesse der Regierenden. Wir dürfen uns nicht von der Presse, dem Verfassungsschutz oder dem politischen Gegner treiben lassen. Der Bundesvorstand hätte sich gar nicht zu den Freien Sachsen positionieren sollen.

Während der Asylkrise machte Cottbus mit den Protesten gegen die Masseneinwanderung Schlagzeilen, nun gibt es große Demonstrationen gegen die umstrittenen Corona-Maßnahmen. Was können wir für die nächste Zukunft aus der Niederlausitz noch erwarten?

Wir werden die kommenden Jahre nutzen, um langfristige Strukturen aufzubauen und zu etablieren. Niemand kann mit Gewissheit zukünftige Wahlerfolge oder auch Misserfolge vorhersagen. Darum ist es wichtig, ein Fundament zu schaffen, das uns ermöglicht, auch in Jahren des ausbleibenden Wahlerfolgs, unsere Arbeit fortzusetzen.

Darüber hinaus werden wir selbstverständlich immer dann zur Stelle sein, wenn viele Menschen in unserer Stadt das Bedürfnis verspüren, auf die Straße zu gehen.


Zur Person:

Jean-Pascal Hohm ist Vorsitzender der AfD Cottbus und arbeitet als Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Büro eines Bundestagsabgeordneten. Neben seiner politischen Tätigkeit studiert er Rechtswissenschaften.

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