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Meinung

Regierung als Satireprojekt: Ungeimpfte dürfen spazieren, aber keine Socken kaufen

Julian Schernthaner

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Eigentlich macht die Mischung aus Unfähigkeit und wohl willentlicher Schikane der Bevölkerung sprachlos. Ruhig bleiben kann man bei der Frotzelei der Regierung allerdings nicht. Denn die fortgesetzten Knallhart-Maßnahmen haben keine Grundlage. Und während der Rest Europas entweder zu öffnen beginnt oder den Menschen zumindest einen letzten Rest ihrer Würde lässt, kennt die Nehammer-Mückstein-Partie nur die Peitsche.

Als würde es nicht reichen, dass sich Österreich vor exakt einer Woche zum ersten demokratischen Land in Europa aufschwang, das trotz 200.000 kritischer Stellungnahmen eine allgemeine Impfpflicht ab 18 einführte. Denn Türkis-Grün ist ganz offenkundig weiter bestrebt, all jene zu bestrafen und zu peinigen, die sich bislang dem „Jaukerl“ aus freien, aber guten Gründen entzogen. Nach über zwei Monaten hebt man nach massivem Druck zwar den mutmaßlich verfassungs- und menschenrechtswidrigen „Lockdown für Ungeimpfte“ auf. So wirklich über die „Freiheit“ können sich weit über eine Million Österreicher aber nicht freuen.

2G-Verlängerung: Peitsche ohne Zuckerbrot

Denn die 2G-Regel bleibt „in fast allen Bereichen“, wie Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein mit einem verschmitzten Grinser erklärte, als wüsste er, welchen Unfug er da eigentlich anordnet. Das heißt: Wer weder geimpft noch genesen ist, darf sich selbst keine Socken und seinem frierenden Baby keine Jacke kaufen, wenn es aus der alten rauswuchs. Ein Gang zum Friseur ist ebenso weiter verboten. Von Annehmlichkeiten wie der Sporthalle zur Stärkung des Immunsystems ganz zu schweigen. Die faktisch einzige „neue Freiheit“: Man darf ohne 2G-Nachweis wieder spazieren gehen, ohne dafür sein psychisches Wohl als Grund angeben zu müssen. Minimaler Freigang: Sehr gnädig, liebe Häfenwärter!

Die Beibehaltung dieser Regel zeigt jedenfalls, dass die Handelnden längst jedes Augenmaß und jedes Ziel vor Augen verloren haben. Kleine Geschäfte gehen überall im Land ein, weil ihnen breite Teile des Kundenstammes wegfallen. Erbarmen sie sich der Bitten von Menschen, sich mit Kleidung oder mit Baumaterialien einzudecken, müssen sie damit rechnen, dass der nächste in der Schlange ein ziviler Polizist ist. Die Angst vor tausenden Euro Strafe und Betriebsschließungen für Akte der Menschlichkeit, lässt sie das knallharte Regime mit Murren mittragen. Die Folge sind Konflikte, noch mehr Spaltung und weitere Rekordprofite für das Online-Versandhaus des reichsten Menschen der Welt.

Slapstick-Einlang und die Crux mit der Umkehr

Wäre das ein Film, würde man herzhaft lachen können über die Slapstick-Einlagen einer Regierung, die sich gackernd und verzweifelt bemüht, ihr Narrativ zu retten. Denn die vollmundigen Ankündigungen über das Vorbeisein der Pandemie, der „geilen Zeit“ und des „Gamechangers“ fliegen ihr um die Ohren. Die Inzidenzen schnellen in die Höhe. Und zwar nicht irgendwo, sondern ausgerechnet in den Tourismus-Bezirken. Also dort, wo man einen 2G-Nachweis braucht, um ins Hotel, an den Skilift und zumAprès-Ski zu dürfen. Einen besseren Nachweis, dass die Regelung nichts bringt, gibt es kaum.

Die Verteilung bei Omikron nach Impfstatus deckt sich grob mit dem prozentualen Anteil innerhalb der Bevölkerung. Zweifach geimpfte (ehedem „Vollimmunisierte“) stehen statistisch sogar schlechter da als Ungeimpfte. Jene, die bereits drei Striche bekamen, dürften einen kleinen Vorteil gegenüber denen mit zwei Stichen haben – der Schutz dürfte aber erneut schnell implodieren. Was machen die Regierenden, um der Lage Herr zu werden? Sie sperren die Ungeimpften, die Zu-Lange-Genesenen und die Nicht-Mehr-Nachimpfen-Woller nun nicht mehr ein, sondern aus. Wohlgemerkt, während eine nachweislich mildere Variante umher geistert. Ein wahrer Schenkelklopfer, diese Gerissenheit!

Die Verwirklichung des Absurden schmerzt

Hätte mir jemand vor zwei Jahren gesagt, dass die Entscheidung für oder wider eine medizinische Behandlung bestimmt, wer am öffentlichen Leben teilnehmen darf, hätte ich ihm den Vogel gezeigt. Wohlgemerkt als Mensch, der gerne Gedankenspiele anstellt, auf welche absurden Ideen machtversessene Eliten kommen könnten. Selbst vor dem Hintergrund, dass sich schon mehrfach vermeintliche Verschwörungstheorien bewahrheiteten, wäre es wohl kaum vorstellbar gewesen.

Ganz und gar unvorstellbar wäre es gewesen, sich vorzustellen, dass ein solcher Übergriff und auch Durchgriff des Staates zur Stützung einer Impfung ohne sterile Immunität geschähe. Gegen ein Virus, bei dem schwere Verläufe unter gesunden Menschen im erwerbsfähigen Alter selten sind. Die Realität hat uns eines Besseren belehrt. Dass ausgerechnet meine geliebte österreichische Heimat sich dazu versteigt, den Vorreiter beim Abbau der hohen Grundrechte der körperlichen Unversehrtheit und der Gewissensfreiheit zu mimen, schmerzt.

Doch wer zuletzt lacht, lacht am Besten

Aber es schmerzt nicht annähernd so stark wie der Umstand, dass sie sich zeitlich zum abschreckenden Beispiel und zur Lachnummer Europas macht. Es herrscht eine gefährliche Dilettanz. Vor wenigen Wochen ulkte ich mit einigem Galgenhumor: „Nicht, dass man es nicht versuchte, aber Österreich ist einfach zu blöd oder patschert für eine ordentliche Diktatur.“ Böse Zungen würden raten, dass man manche Scherze nicht machen sollte, weil sie sonst Gefahr laufen, wahr zu werden. Aber gleichzeitig birgt genau diese gefährliche Dilettanz der Handelnden auch Hoffnung.

Dann keine unfähige Truppe kann so boshaft sein, als dass sie nicht irgendwann über ihre Unfähigkeit stolperte. Die Vorstellung, dass ein Land, bei der man schon bei Wahlen von den Kuverts bis zur Auszählung keine Panne auslässt, es tatsächlich vollbringt, Abermillionen zum Impf-Abo zu zwingen, erscheint doch ein wenig unrealistisch. Das Säbelrasseln mit den Impf-Strafen wird kommen, aber spätestens, nachdem die Verwaltung unter der Unsumme von Beschwerden und Einsprüchen untergeht, wird das Gesetz faktisch unvollstreckbar. Bis dahin: Verlieren Sie Ihren Humor nicht, Sie werden ihn noch brauchen! Denn wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am Besten …

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